Andreas Panzer, Stilecht

24. April 2017
Mit spitzen Steinen Gepflastert

Der Weg zum Ziel

Heutzutage eröffnet jeder Holzchopf eine Beiz, wird, anhand einer Kurzunterweisung, Fitness-Instruktor, Web-Designer, Berater oder Gestalter. Hauptsache, es geht schnell, tönt cool und bringt viel Kohle. Inzwischen ist uns diese seichte Lebensart so vertraut wie Palmöl in Produkten des täglichen Bedarfs.

Zweifellos bieten gerade die Medienindustrie und das Kreativgewerbe unzählige Perspektiven für Quereinsteiger. Das hat, erstens, mit der totalen Neuausrichtung unserer Branche und, zweitens, damit zu tun, dass zig Landsleute das Gefühl haben, in ihnen schlummere «Künstlerpotential». Über die Tatsache des ökonomischen Wandels müssen wir nicht reden. Über das latente Bedürfnis, sich selber verwirklichen zu wollen, ebenfalls nicht. Worüber wir reden müssen, ist der Weg zum Ziel.

Wo fachliche Kompetenzen nötig sind
Ausnahmslos jedem ist völlig klar, dass Mediziner, Piloten, Notare und Steuerexperten so richtig handfeste Qualifikationen vorweisen müssen. Sprich, alle setzen voraus, dass in diesen Berufsbildern fachliche Kompetenzen notwendig sind, damit rechtschaffen und zuverlässig gearbeitet werden kann. Wir Kreativen haben zwar keine Verantwortung über Passagiere und Patienten, allerdings schütteln wir Lösungen und Konzepte auch nicht einfach so mir nichts, dir nichts aus dem Ärmel. Das ist ein Prozess. Oft ist dieser ziemlich anstrengend und aufreibend. Um nicht sagen zu müssen, mit spitzen Steinen gepflastert.

Kreatives Schaffen ist harte Arbeit
Ich bin keiner, der meint, Kreativität sei ein Geheimnis. Ich finde vielmehr, kreatives Schaffen ist harte Arbeit und erfordert neben gestalterischen und konzeptionellen Kompetenzen auch handwerkliches Können. Weiter denke ich, es braucht einen Sinn für Farben, Formen und Proportionen. Die Fähigkeit, Neues zu erschaffen und Altes neu zu denken gehört genauso dazu wie die Fähigkeit, die Bedürfnisse des Kunden zu erfragen. Nicht zu vergessen den Mut, sein Tun und Schaffen mit Skepsis zu reflektieren und anderen gegenüber zu vertreten.

Motivation ist eine Sache, Eignung eine ganz andere
Was ich sagen will ist folgendes: Gut Ding will Weile haben. Wer die Abkürzung wählt, tut dies für gewöhnlich auf Kosten der Qualität. Dies wiederum schätze ich als recht problematisch ein. Denn gerade in unserer Branche gilt das Eis als besonders dünn und ohne solide Grundlagen ist es ziemlich knifflig, über die Runden zu kommen. Darum, liebe Quereinsteiger, tut euch Gutes, tretet die Reise nicht an, bevor ihr das Ziel kennt und, ganz wichtig, nehmt euch Zeit. Macht euch fit und vergesst zudem nicht: Motivation ist eine Sache, Eignung eine ganz andere.

Über den Autor
Andreas Panzer ist Inhaber der Agentur Stilecht und ein Fürsprecher fundierter Ausbildung. «Weil diese Perspektiven öffnet», wie er sagt.

  • Karine & Oliver

  • Andreas Panzer

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