Mark van Huisseling, MvH Industries

18. September 2013
RESTAURANT-TIPP

Haus im Wald

Es gibt Leute, die die Wirtschaft Degenried nicht kennen und solche, die sie mögen. Was ich bis jetzt nicht erlebt habe, ist jemand, der sie kennt und nicht mag. Selber war ich vor zirka eineinhalb Jahren zum ersten Mal in dem Restaurant, das sich im Adlisberg-Wald befindet – und seither ist es der jüngste Eintrag auf meiner kurzen Liste der Lokale in Zürich, in die ich regelmässig und gerne essen gehe.

Das Degenried hat die beste und zugleich schwierigste Lage, die man sich vorstellen kann: Mitten im Wald, das ist schön und gut, und mitten im Wald, das ist, für andere, wenig glanzvoll und abgelegen. Ich gehöre zu den Ersten, schon klar, denen, die es schön und gut finden. Doch ich habe den Vorteil, dass ich von zu Hause aus innert fünfzehn Minuten dort bin, zu Fuss. Das ist für mich das halbe Auswärts-Essen-Gehen-Erlebnis: Fünfzehn Minuten durch den Wald gehen, vorbei an der rund 300-jährigen Eiche, um Hunger zu entwickeln. Nach dem Essen wieder fünfzehn Minuten retour gehen, durch den mittlerweile dunklen Wald, und sich danach gut und irgendwie sportlich fühlen.

Die Weinkarte ist interessanter als lang
Wenn wir es davon haben: Das Essen ist, wie es sein soll in einem Wald in der Schweiz. Es gibt, zum Beispiel, Hacktätschli oder Wienerschnitzel, Kalbsleber oder Spargeln (falls Saison ist). Die Weinkarte ist interessanter als lang (zum Beispiel der feine spanische Aalto ist drauf, den man nicht mehr vielerorts bekommt). Und, Spezialität, im Haus gemachte Crèmeschnitten (eine solche bereits reservieren lassen, wenn man wegen des Tischs anruft; auch deshalb zu Fuss hingehen, obwohl man, vom The Dolder Grand kommend, mit dem Wagen hinfahren kann, es gibt Parkplätze).

Da isst das Auge sozusagen mit
Zum Schluss zwei Dinge mehr, die wichtig sind: Es gibt eine Terrasse, auf der man tagsüber sitzen will, damit man lernt, dass der Blick in den Wald (und auf eine Lichtung) so schön sein kann wie auf einen See. Und die Mädchen, die einen bedienen, tragen eine Art Dirndl. Da isst das Auge sozusagen mit.

  • Gregory Gilbert-Lodge

  • Mark van Huisseling

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