Martin von Moos, Hotel Belvoir

1§6. Mai 2017
APROPOS HOTELLERIE

Mann für knifflige Fälle

Martin von Moos, Geschäftsführer zweier Hotels und Präsident des Zürcher Hotelier-Vereins über den Argwohn gegenüber progressiven Konzepten, seine neue Sichtweise zum Thema Vereinsarbeit und über die Gründe, warum er wieder und wieder gerne in seine alte Rolle schlüpft.

Hotelier sein, das ist mitunter eine echte Herausforderung. Die Aufgabe macht Spass, gibt viel zurück, erfordert andererseits aber einen wachen Geist und, auch das darf gesagt sein, ein dickes Fell. «Als damals», so Martin von Moos, «der Thalwilerhof verkauft wurde, begrüssten die Ortsansässigen diesen Schritt. Als wir ihnen hingegen das neue Konzept für das Sedartis präsentierten, stiessen wir nicht nur auf Enthusiasmus». Menschen, so von Moos weiter, orientierten sich gerne an Bewährtem. Neuausrichtungen und modernes Design hingegen würden in der Regel eher mit Skepsis aufgenommen.

Unbekanntes Terrain
Ein bisschen argwöhnisch war man dem «Neuen» gegenüber wohl auch darum, weil er nicht aus dem Ort stammte. Er, der Luzerner, war einige Jahre in Asien, hauptsächlich aber in Zürich tätig gewesen. «Da dachte der eine oder andere schon, ob das denn gut gehen würde», meint von Moos mit einem Augenzwinkern, «denn trotz internationaler Erfahrungen war Thalwil für mich unbekanntes Terrain.» Doch es kam gut. Sehr gut sogar. 2004 hob von Moos das Sedartis aus der Taufe und führte es die nächsten Jahre mit glücklicher Hand als Direktor. Genau genommen so lange, bis er nach Rüschlikon ins Hotel Belvoir wechselte.

Investor mit hohem Ansehen
Dieselbe Besitzerfamilie, andere Gesetzmässigkeiten und neue Herausforderungen. «Die Aufgabe bestand darin, ein unrentables Hotel, das in der Gemeinde tief verwurzelt und bei den Rüschlikern beliebt war, neu auszurichten.» Eine Herkulesaufgabe, die rückblickend auch darum gut gelang, weil der lokale Investor hohes Ansehen geniesst. «Das hat uns sehr geholfen», sagt von Moos und macht weiter klar, dass es zuweilen «echt knifflig» sei, derart hohen Anforderungen gerecht zu werden. «Mittlerweile ist das Belvoir wieder eine Institution und bei heimischen Gästen, Geschäftsleuten und Touristen gleichermassen beliebt», sagt ein sichtlich zufriedener Martin von Moos.

«Besser kann ich es nicht haben, dieser Mix ist wie für mich geschaffen.»

Konzentration auf strategische Fragen
2016 zog sich Martin von Moos aus dem operativen Geschäft zurück und übergab die Direktion des Belvoir an Daniel Kost. Als Geschäftsführer des Sedartis und des Belvoir konzentriert von Moos sich indes auf strategische Fragen. «Zudem konnte ich vor anderthalb Jahren das Präsidium des Zürcher Hotelier-Vereins übernehmen, mit 155 Hotels einer der grössten Regionalverbände des Dachverbands Hotelleriesuisse, sagt er. «Ich war mir zunächst nicht sicher, ob die strukturierte Vereinsarbeit meine Welt ist, merkte aber schnell, dass mich die neuen Aufgaben mit Zufriedenheit erfüllen.»

Vorübergehend in die alte Rolle schlüpfen
Zwar sei er jetzt nicht mehr der Hotelier, der weibelt und zudem habe er auch das Loslassen erlernen müssen, «die tiefe Verbundenheit aber zu meinen Schützlingen Sedartis und Belvoir ist nach wie vor ungebrochen». Nur logisch also, dass Martin von Moos, wenn einer der beiden Direktoren im Urlaub weilt, vorübergehend wieder in seine alte Rolle schlüpft. «Besser kann ich es nicht haben, dieser Mix ist wie für mich geschaffen.»

  • Karine & Oliver

  • Urs Blöchliger

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