Marion Duschletta

24. Juli 2015
Risa Hutmanufaktur

Hut auf dem Kopf

Es gibt keinen Grund Ihnen weismachen zu wollen, Hut tragen sei heutzutage noch massentauglich – ist es nicht! Und wird es, meiner bescheidenen Meinung nach, auch nicht mehr werden. Aber …

Bis in die 1930er Jahre hingegen galt die Regel: Ohne Hut ist der Mann kein Mann. Dann begann der Abstieg, die Verkaufszahlen sanken kontinuierlich, und in den Sechzigern befand sich die Industrie im freien Fall. Mit allen Mitteln kämpften die Hutmacher dagegen an. Nicht nur in Europa, auch in den USA. Dort versuchte man gar, John F. Kennedy als Zugpferd zu Werbezwecken einzusetzen, ihn davon zu überzeugen, dass ein hutloser Präsident geschäftsschädigend sei. Doch Kennedy spielte nicht mit, verzichtete demonstrativ auf jegliche Kopfbedeckung und signalisierte mit jedem seiner öffentlichen Auftritte, was die Industrie krampfhaft verhindern wollte: Hüte sind out!

Zwar hat der Hut seine Selbstverständlichkeit verloren, aber verschwunden ist er nicht.

Ob Zylinder oder Homburg
Es gab aber Zeiten, da war der Hut unverzichtbar. Er gehörte ganz einfach dazu. Man trug ihn immer und überall, fragte nicht nach dem Warum. Er schützte vor Sonne, Regen und Kälte, war nicht nur ein selbstverständlicher Bestandteil der Garderobe, sondern auch Ausdruck der sozialen Stellung. Arbeiter trugen schlichte Filzhüte und Schirmmützen, die Mittel- und Oberschicht trug Melonen, Zylinder oder einen Homburg; wer es etwas lockerer anging, einen Fedora. Wie auch immer der Hut aussah, kein Mann hätte auf ihn verzichtet.

Stets ein cooles Accessoire
Wer Hüte liebt, von ihrer Geschichte angetan ist, für den habe ich einen Tipp: die Firma Risa im aargauischen Hägglingen. Sie ist die einzige in der Schweiz verbliebene Hutfabrik. Dort erweckt man altes Handwerk wieder zum Leben und produziert wunderschöne Kopfbedeckungen: aus Stroh geflochten, aus Kaninchenhaar und Schafwolle gefertigt. Zwar hat der Hut seine Selbstverständlichkeit verloren, aber verschwunden ist er nicht. Er hat nur seine Funktion verändert. Heute trägt man ihn nicht, um sich von anderen gesellschaftlichen Schichten abzugrenzen, sondern um sich durch seinen eigenen Stil – mit Hut – von der Masse abzuheben.

  • Marion Duschletta
  • Urs Blöchliger
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