Ibiza

23. Juni 2016
Reise-Tipp mit Air Berlin

Mein Ibiza

1976 war ich das erste Mal auf den Balearen, zusammen mit meinen Eltern und meinen zwei Geschwistern. Wir waren also zu fünft. Inklusive Gepäck für fünf Wochen. Flüge waren damals teuer und die Verbindungen spärlich, ergo fuhren wir. Und zwar mit einem 1300er VW-Käfer, von Zürich via Frankreich nach Barcelona. Von dort aus gings weiter mit der Fähre über das Mittelmehr nach Ibiza.

Über diesen Trip könnte ich einiges schreiben. Darüber, dass der Liter Benzin für unter einen Franken zu haben war und das Wechselgeld für die Autobahngebühren aus einer Handvoll giftfarbiger Bonbons bestand. Ein damals auf italienischen und französischen Autobahnen üblicher Handel übrigens, der uns Kinder freute, bei unserem Vater aber nur Kopfschütteln auslöste und einen hochsensiblen Nerv traf. Ferner könnte ich darüber berichten, unter welch brenzligen Umständen wir am Stadtrand von Barcelona in einem Park übernachteten. Oder wie sich die Unterhaltung zwischen der Schiffsbesatzung und unseren Eltern abspielte, weil keiner den anderen verstand und niemand begriff, was der eine vom andern wollte. Nicht mal im Ansatz. Und das war nochmals eine Schwachstelle im empfindlichen Nervenkostüm unseres Vaters.

Günstiger und bequemer
Dieser Beitrag aber findet im Hier und Jetzt statt. Und heutzutage geht das alles etwas zackiger und flüssiger vor sich. Das Reisen ist einfacher, günstiger und bequemer geworden. Was dazumal als Abenteuer galt und mit grossem Aufwand verbunden war, mutet mittlerweile als Kinderspiel an. Vielleicht ist der Weg zum Ziel nicht mehr so erlebnisreich und unterhaltsam, aber sicher effizienter, und das hat auch seinen Vorteil. Insbesondere dann, wenn die Zeit knapp bemessen ist. Soviel zum Thema Damals und Heute. Beides hat seinen Reiz. Beides hat seine Zeit.

Darum ist ein Flug mit der Air Berlin eine feine Sache. Und weil ich diese Strecke mit Handgepäck bereise, bleibe ich auf dem Flughafen auch nicht hängen. Während andere am Fliessband auf ihr Gepäck warten, fahre ich im Mietwagen bereits Richtung Hotel Rocamar. Eine meiner Lieblingsadressen

Den Massen aus dem Weg gehen
Apropos Reiz und Zeit: Ich wäre kein Ibiza-Romantiker, könnte ich nicht, wenn es denn sein muss, darüber wettern, was sich in den vergangenen 40 Jahren auf der Insel alles verändert hat. Das tat es tatsächlich, und nicht nur zum Guten. Soviel Ehrlichkeit muss sein. Aber, und das soll auch gesagt werden, es gibt einiges, das ist, wie es war. Man muss nur die Augen öffnen, den Massen aus dem Weg gehen, San Antonio links liegen lassen, sich vom Partylärm fernhalten und wenn möglich die Hauptsaison meiden. Punkt.

Für jene, die meine Bemerkungen ernst nehmen, habe ich noch weitere Empfehlungen und Möglichkeiten. Sie kommen von Herzen und sind praxiserprobt. Ich würde es niemals wagen, meine Lieblingsinsel mit dummem Geschwätz und Unwahrheiten zu frisieren. Genauso wenig will ich sie aber unter ihrem Wert verkaufen.

Ausgerüstet mit Allradantrieb und Kunststoffkarosserie
Obschon das damals sicherlich nicht zum elterlichen Plan gehörte, waren wir in den 70er-Jahren mit besagtem VW-Käfer ziemlich stilsicher unterwegs. In direkter Konkurrenz dazu standen allenfalls der R3 und R4 und der Deux Chevaux. Und dann gab es noch ihn, den Citroën Méhari. Die Ikone Ibizas. Ausgerüstet mit Allradantrieb und Kunststoffkarosserie das perfekte Verkehrsmittel, um die befestigten Strassen zu verlassen. In knalligen Farben, mit plastikbezogenen Sitzen, auf denen man sich unter der sengenden Sonne den Hintern verbrannte, und der Robustheit eines Esels. Eine bessere Beweisführung für seine Qualitäten als die, dass man den Méhari noch heute mieten kann, gibt es wohl nicht. Vier Jahrzehnte Verlässlichkeit sprechen schon auch ein bisschen für sich.

Die wahren Schätze Ibizas
In den vergangen fünfzehn Jahren wurde das Strassennetz auf der Insel markant ausgebaut. Das war eine teure, aber sehr nutzbringende Angelegenheit, die den Verkehr während der Hochsaison enorm entlastet. Eine Vielzahl der wahren Schätze Ibizas liegt aber nach wie vor fernab von den Hauptstrassen. Es ist also ein Vorteil, wenn man hat einen Untersatz á la Méhari hat, und wenn nicht, dann sollte der Wagen weder neu noch wehleidig sein. Die ausgewaschenen Naturstrassen haben es in sich, die eine und andere Blessur muss in Kauf genommen werden.

Absolute Herzensbrecher
Wer dieses Abenteuer eingeht, wird mit Ibizas unverfälschter Schönheit üppig belohnt. Da erwarten einen traumhafte Buchten und Strände mit türkisfarbenem Wasser und uralten Pinienbeständen. Die paar Leutchen, die sich an solchen Orten einfinden, sind Insider und Suchende gleichermassen. Hier geniesst man ungestörten Ibiza-Zauber, erfrischt sich im sanften Wellengang, mitunter ganz nackig, und stört dabei keine Menschenseele. Mit etwas Glück trifft man auf Alt-Hippies, die teils noch immer irgendwo im Nirgendwo der Insel leben, und lauscht ihren Trommeln, wenn sie die Dämmerungsstunden und Sonnenuntergänge musikalisch begleiten. Ein Ritual, das leider immer seltener wird und das man nicht verpassen sollte. Die Farbenpracht der Sonnenuntergänge übrigens ist nicht zu überbieten. Absolute Herzensbrecher.

Fantasievollen Sagen und Mythen
Es gibt dann aber auch Passagen, die schafft nicht einmal der Mehari. Da geht es nur noch zu Fuss weiter. Zum Beispiel über einen schmalen Pfad auf den Torre d’es Savinar. Dieser Piratenwachturm wurde 1756 von Juan Ballester, dem leitenden Ingenieur des Königreichs Mallorca, entworfen; es ist der höchstgelegene Verteidigungsturm auf Ibiza. Der Turm ist begehbar, darf entdeckt werden und man kann an seinen dicken Mauern lauschen. Dieser alte Zeuge aus gehauenem Stein weiss so manches über seine bewegte Vergangenheit zu erzählen. Über Zeiten, als die Gefahr von Überfällen gross war und die Bevölkerung vor Piraten gewarnt werden musste. Der Blick von hier auf die Felseninsel Es Vedrà und ihr Schwesterchen Es Vedranell ist atemberaubend; ich kenne nichts Vergleichbares. Schon seit dem Altertum hat Es Vedrà die Menschen zu fantasievollen Sagen und Mythen angeregt. So geht die Mär, dass Es Vedrà der Felsen ist, an dem die zauberhaften Gesänge der Sirenen das Schiff des Odysseus zum Zerschellen brachten. Ob wahr oder nicht, derlei mystische Erzählungen gehören hierhin wie die Seekiefer, der Wacholder und der Rosmarin. Der «Torre del Pirata», wie er im Volksmund genannt wird, und der Blick auf das sagenumwobene Eiland mit seinen steil aufragenden Klippen aus einem Meer, das so tiefblau ist, dass man befürchten muss, seine Seele darin zu verlieren, sind schlichtweg magisch, die Umgebung einer der wunderbarsten Flecken Erde, die ich jemals betreten habe.

Spannender und abwechslungsreicher als jeder Krimi
Authentisches Ibiza gibt es überall zu entdecken. Beinahe hinter jedem Olivenbaum und hinter jeder Steinmauer steckt ein bisschen davon. Im Laufe der Geschichte ist Ibiza stets mit anderen Kulturen in Kontakt gekommen und hat deren Stimulus aufgenommen. Phönizier, Karthager, Römer und Araber waren hier, später kamen die Christen. Die Architektur ist geprägt von dieser Kulturfusion, das facettenreiche Erbe zeigt sich bis heute an diversen historischen Bauwerken. Einige davon stammen noch aus der Zeit der Karthager. Sie waren es übrigens auch, die auf der Insel die erste Kolonie gründeten – das war 654 vor Christus und ist verbrieft. Die gross angelegte Nekropole westlich der Altstadt (Dalt Vila), der Puig des Molins, ist ein wichtiger Zeuge aus dieser Zeit. Hier wurden mehr als 4000 punische und römische Gräber entdeckt. Andererseits deuten Höhlenmalereien in Ses Fontenelles darauf hin, dass die Insel bereits zirka 1300 Jahre vorher besiedelt war. Lassen Sie es mich mal so sagen: Ibizas Geschichte ist spannender und abwechslungsreicher als jeder Krimi. Man muss sich nur mal hinsetzen, ein bisschen einlesen und darauf einlassen.

Es gib noch soviel mehr zu erzählen. Beispielsweise über das Naturspektakel von Santa Ines während der Zeit der Mandelblüte oder warum die befestigte Altstadt von Ibiza zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Spannend ist auch, was es mit den Hippie-Märkten in Punta Arabi und Las Dalias auf sich hat und worin deren ursprüngliche Idee gründet. Mindestens so Interessantes kann ich auch über die Salinen – eines der bedeutendsten Salzgewinnungsgebiete im Mittelmeerraum – erzählen. Und einige wirklich gute Tipps über Ibizas authentische Küche habe ich ebenfalls auf Lager. Gerne berichte ich in einem weiteren Beitrag darüber. Doch geben wir uns dafür ein bisschen Zeit. Mir zum Schreiben, Ihnen, dass sich meine Worte erst einmal setzen können. Und dann sehen wir weiter.

  • Urs Blöchliger

  • Urs Blöchliger

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