CEO Orea-Küchen

2. August 2017
Küchenprofi und Philosoph

Im Herzen Schreiner geblieben

Der Mann hat bei den renommiertesten Küchenbaufirmen gearbeitet. Dann der Wechsel aus der, sagen wir mal, Komfortzone einer Kaderposition an die Spitze und damit in die Verantwortung beim Küchenbauer Orea. Was treibt Menschen wie David Spielhofer an? Aus welchem Grund verlässt jemand eine Weltmarke, um sich bei einem weniger bekannten Mitspieler zu engagieren? Eine Aufklärung dazu aus erster Hand.

Fragt man meine Kinder, was ich beruflich mache, kommt, so vermute ich, die Antwort: «Mein Papi ist Schreiner.» Im Herzen bin ich das wohl geblieben. Allerdings habe ich mich, für den Broterwerb zumindest, knapp 20 Jahre nach meiner Schreinerausbildung, im Premium-Küchen-Segment etabliert. Und zwar als «Vertriebler». Interessanterweise sind es jedoch weniger die fixfertigen Küchen, die mich faszinieren, sondern deren Möglichkeiten und vor allem die Materialien, aus denen sie gefertigt sind. In Venedig beispielsweise fühle ich mich wie im Paradies. Stundenlang kann ich mich dort von all der Herrlichkeit inspirieren lassen. Oder wenn ich im Muotathal bin, wo wir produzieren, kann mich eine verwitterte Holzwand, ein geschliffener Stein oder eine unbehandelte Stahlplatte richtiggehend fesseln.

Arbeitsplatz für tendenziell schnelles Essen
Seit ich auf diesem Gebiet tätig bin, hat sich manches verändert. Nicht nur, dass der Vermischung von Arbeit und Lifestyle eine immer stärkere Bedeutung zukommt, auch geht der Trend in Richtung verdichtetes Wohnen. Und weil Boden immer teuer wird, wächst der Stellenwert der Küche ungebremst. Kommt hinzu, dass die Küche einer komplett veränderten Lebensart Rechnung tragen muss: Von Montag bis Freitag nämlich ist sie Arbeitsplatz für tendenziell schnelles Essen. Am Wochenende hingegen soll sie sämtliche Möglichkeiten für die Zubereitung eines ausgiebigen Fünf-Gang-Menüs bieten.

Entscheide fällen, entwickeln und Materialien auszusuchen.

Dann kam die Anfrage von Orea
Noch vor einem Jahr gehörte ich dem Kader von Bulthaup an. Dann kam die Anfrage von Orea. Und auch wenn ich beim Weltmarktführer eine fantastische Zeit hatte – ich war bereit für etwas Neues. Doch war es nicht die Herausforderung als solche, die mich trieb, sondern die Möglichkeit, als CEO und Partner von Orea mitgestalten zu dürfen. Sprich: Entscheide zu fällen, zu entwickeln, Materialien auszusuchen und die Kunden an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen. Hier geht dies Hand in Hand. Und was gibt es Privilegierteres, frag ich Sie, als den meistbenutzten Raum eines Zuhauses mit Ideen und Funktionen zu bereichern?

Analoge Fähigkeiten
Seit längerem werde ich nach der «digitalen Küche» gefragt. Offen gesagt glaube ich nur begrenzt daran. Der Kühlschrank wird sich gewiss nicht selber füllen. Obendrein hat der Mensch, gerade in dieser rastlosen Welt, wieder etwas übrig für haptische und analoge Fähigkeiten. Darum boomen auch Dinge, die er selber in die Hand nehmen kann. Handwerken halt und Gärtnern oder eben auch Kochen. In Anbetracht dieser Tatsache kann ich meinen Kindern nur beipflichten: Ja, im Herzen bin ich Schreiner geblieben.

  • Hannes Kirchhof

  • Stefan Del Fabro

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