Schreibwaren Manufaktur

24. Mai 2017
Gefühls- und Begeisterungsbekundungen

Liebesbrief, Je t’aime

Sehnsucht auf Papier. Ein Wertschätzen und Wollen und Wagen: «Ich finde dich toll. Ich will dich. Ich liebe dich …» Bäääm! So was zu schreiben, erfordert Mut. Denn was, wenn das Objekt der Begierde nicht zurückschmachtet? Dann besteht trotzdem die Chance, dass der Liebesbrief berührt und beglückt – und zwar nachhaltig.

«Hi, Andrea», steht in fetten Graffiti-Lettern auf einem prosaisch gehäuselten Papier. «Hast du die Jamiroquai-CD «Travelling Without Moving» gekauft? Mein Lieblingsstück ist das zweite, «Cosmic Girl», weil ich da immer an dich denken muss. […]» Ein Liebesbrief! Ich habe ihn nach einem Samstagabend am Freestyle-Event in Zürich erhalten, Ende der 1990er-Jahre. Und weiter: «Ich würde dich gern zu einem Drink einladen, mit dir Passfotos machen und mehr als gute Freunde sein. […] Je t’aime.» Ha! Wenn der DAS gewusst hätte …

Ausdruck der Freude
Wenn der Junge von damals gewusst hätte, dass ich heute, mit Mitte 30 und einigen Lachfalten im Gesicht, diesen Brief herauswühle aus der Erinnerungskiste, dass ich kurz an der Zeit rieche, Vergangenheit, und seine Zeilen freudig anstrahle, sogar daraus zitiere. Ich hoffe, er würde mir diese kleine Indiskretion verzeihen. Zumal es hier keine narzisstische Abhandlung werden soll; ich kann Sie beruhigen. Mir geht es um den Ausdruck der Freude, die eine Portion Mut und solch ein Herz-voran auslösen können, noch Jahre später.

In einer Schublade verschwunden
Ich fühle mich in der Tat sehr beschenkt mit den Briefen, die mir zugeschickt wurden, teils auch zugesteckt. Selbstverständlich sind sie nicht. Denn ob es Gefühls- und Begeisterungsbekundungen gibt, die in einer Box über die Jahre und Adressen hinweg mitumziehen können (wenn man das will), scheint mir auch Glückssache zu sein. Nicht alle Gedanken finden den Weg aufs Papier, und nicht jedes Papier findet den Weg zum Adressaten. Vielleicht ist der schönste Liebesbrief, der je für Sie geschrieben wurde, in einer Schublade verschwunden. Vielleicht hat er sie gar nie erreicht.

Die Anzahl und Wortwahl der Liebesbriefe, die man erhält, hat man schlicht nicht in der Hand, aber sehr wohl die Anzahl und Wortwahl derjenigen, die man aussendet.

Wann haben Sie Ihren letzten Liebesbrief geschrieben?
Nein, keine WhatsApp-Meldung mit Herzchen.
Bestenfalls einen auf Papier. Ja, so richtig!

Ehrlich gesagt: Ich weiss es grad auch nicht. Aber ich finde, wir sollten das wieder mal tun, ein wenig retro in der Art und Weise und romantisch im Ausdruck sein. Sie und ich – in der Mission vereint, aber ein jeder für sich. Schreibend schwärmen, schwärmend schreiben. Und falls ein Liebesbrief bei Ihnen nicht authentisch wär, weil’s grad knorzt oder weiss Gott keiner cosmic wirkt, wie «from another galaxy», dann verfassen Sie doch einen lieben Brief. An ein Familienmitglied, einen Freund, eine Arbeitskollegin, an den Nachbarn oder an sich selbst.

In der Zeit verrückt
Und dann stellen Sie sich vor, wie der Adressat über einer etwas muffig gewordenen Kartonbox sitzt, an einem verregneten Sonntagabend im Jahr 2032 oder so, den Deckel anhebt – und über das ganze, älter gewordene Gesicht strahlt. Die Person wird den Brief lesen, sich hoffentlich an Sie zurückerinnern, auch an den Menschen, der er/sie mal war … und in der Zeit verrückt sein, berührt und beglückt

Wenn Ihnen diese Vorstellung gefällt und die Gefühle auch da sind, dann machen Sie’s möglich.
Und schreiben Sie … Je t’aime.

Dieser Text wurde zwar am Computer geschrieben, hat aber Hand und Hintergrund, basiert auf der Freude am handschriftlichen Schreiben. Er wurde im Auftrag von KAWECO verfasst, dem Hersteller von Schreibgeräten (seit 1883).

  • Kaweco

  • Andrea Keller

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