Roviva

9. August 2012
100 Prozent Schweizer Wertarbeit

Von der Natur offeriert

Wer sich so betten will, dass er am Morgen fit wie ein Turnschuh erwacht, kommt um Roviva nicht herum. Was der Matratzenhersteller in Wangen an der Aare anbietet, ist ein körperliches Verwöhnprogramm erster Güte. «Müder Kopf und müde Glieder erholen sich auf Rosshaar wieder» – längst Geschichte. Heute bringt der Schweizer Traditionsbetrieb mit viel Handarbeit erlesene Materialien in die Betten.

Null Stress in den Produktionshallen, dezent die Geräusche der Maschinen mit literarischen Namen wie «Pegasus». Die Belegschaft von Roviva «ist bei der Herstellung unserer Matratzen so entspannt wie später die Kunden, die darauf ruhen», sagt der Chef Peter Patrik Roth. Rund 200 edle Unterlagen für Genussschläfer werden täglich gefertigt, mit perfektem Augenmass und viel Handarbeit. Und 600 finden sich jederzeit im Lager des mittelgrossen Familienbetriebs, der in Wangen an der Aare seit 265 Jahren als Garant für Qualität gilt. «Was wir anbieten», so Roth, «beflügelt die Sinne». Logisch deshalb, dass die Firma einen Schmetterling als Markenzeichen für Unbeschwertheit gewählt hat.

Spielplatz Werkhallen
«Damals schliefen die meisten Schweizer noch auf Laub- oder Seegrassäcken», erzählt Roth. Heute ist die neunte Roth-Generation am Werk, und der joviale Geschäftsführer und Inhaber – «englische Begriffe wie ‹CEO› sind verpönt» – ist stolz darauf, dass der Betrieb ohne Fremdbeteiligung prosperiert. «Unsere Marke steht für 100 Prozent Schweizer Wertarbeit und Unverwechselbarkeit.» Für den Unternehmer, der locker Moderne und Tradition kombiniert, war schon als Knirps klar, dass sein Platz einst im Unternehmen sein würde. «Die Werkhallen waren meine Spielplätze, und mein Papa nahm mich oft auf Geschäftsreisen zu Lieferanten wie z.B. Webereien und Schäumereien mit.» Roth senior war zudem jeden Mittag zuhause, weil das Stammhaus der Familie auf dem Firmenareal steht, «und so waren Matratzen stets ein grosses Thema bei Tisch».

Hart umkämpfter Heimmarkt
Rund 50 flinke Allrounder sind es, die täglich von sieben bis 17 Uhr Markenware herstellen, Bequemes und physiologisch Ausgeklügeltes von 700 bis 2500 Franken. «Rechnet man einer Matratze eine Lebensdauer von 10 Jahren zu, kostet auch unsere teuerste kaum einen Franken pro Nacht», sagt Roth. «Soviel sollten einem Komfort und Gesundheit wert sein, aber leider ist Bettware weitum noch kein Statussymbol.» Grund zur Klage hat der studierte Betriebsökonom trotzdem nicht: Die 30 Matratzentypen im Katalog, auf denen auch Allergiker beschwerdefrei liegen, bescheren Roviva zweistellige Zuwachsraten, zusammen mit selber entwickelten Einlegerahmen und Luftigleichtem wie Duvets mit kanadischen Gänsedaunen. Verkauft wird alles über ein breit gespanntes nationales Netz von Möbelhäusern und Fachgeschäften. «Zwar liefern wir auch nach Südkorea und in die USA, partiell auch nach Russland und in den arabischen Raum, aber global», so Roth, «sind wir noch ein Rohdiamant.» Wichtig ist dem Unternehmen der «hart umkämpfte» Heimmarkt, und auf dem, sagt der Chef, sei man top.

Staubmilben und Bakterien den Garaus machen
«Nicht zuletzt deshalb, weil wir nie schlafen, wenn es um Neuentwicklungen geht.» Dieser Effort wurde schon etliche Male belohnt. Vor zwei Jahren etwa liess das Konsumentenmagazin K-Tipp von einem renommierten Institut die zehn meistverkauften Matratzen des Landes testen, und Roviva – der Name ist ein Zusammenzug von «Roth in Wangen» – wurde Klassenbester mit dem als «sehr gut» befundenen Produkt Papillon 261. Im gleichen Zeitraum erhielt das Schlafsystem Dream-away den renommierten Red Dot Design Award. Zu den Besonderheiten des geehrten Produkts zählen eingewobene Silberfäden, deren aktive Ionen Unangenehmem wie Staubmilben und Bakterien den Garaus machen. Schicht um Schicht fügt das Produktionsteam in N92 den Hallen Matratzen zusammen. Der Kern besteht aus Schaumstoff, mit einer CNC-Schneidemaschine so strukturiert, dass möglichst viel Luft zirkulieren kann. Mit ausgeklügelten Federelementen versehen stützt dieser Teil jede Partie von Schläfern ergonomisch einwandfrei, «egal, wie sehr die fegnesten». Der Rest sind Naturlatex und gediegenste Wohlfühlmaterialien wie Kamelhaar, Wildseide oder Kaschmir. «Synthetisches gibt es nicht bei uns – unsere Hautschmeichler sind alle organisch», sagt Roth.

Eine gerade Naht hinkriegen
Ehrensache, dass Roviva-Mitarbeiter ausschliesslich auf Eigenprodukten schlafen. «Sie erhalten unsere Produkte vergünstigt und werden so zu zuverlässigen Testern», erläutert Roth, der selber über jedes Detail seines Angebots referieren kann, angefangen bei dem Fakt, dass «Matratze» ein Wort mit arabischem Ursprung ist. Nach dem Studium jobbte er u.a. ein halbes Jahr bei einem englischen Lieferanten: «Ich schäumte Latex auf, lernte, wie er vulkanisiert wird, und heute noch würde ich mit einer unserer Nähmaschinen eine gerade Naht hinkriegen.» Derart beschlagen kann er Kunden mit bestem Gewissen einen Rat geben: «carpe noctem», nutze die Nacht.

  • Patrick Stumm
  • Roland Falk
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