Mark van Huisseling, MvH Industries

13. Juni 2012
RESTAURANT-TIPP

Das älteste Gute

Das «Kindli», dürfen Gisela und Sonja Lacher sagen, ist eines der ältesten Gasthäuser der Stadt. Was sie nicht sagen dürfen: Dass das Restaurant, das sie betreiben, eines der besten der Stadt sei. Das dürfen dafür ihre Gäste sagen, ich zum Beispiel.

Eines der besten jedenfalls, falls man darunter ein Restaurant versteht, in dem man fein zubereitetes Essen aus sehr guten Zutaten (etwa Spinatsalat mit Eierschwämmen als Vorspeise und frischen Meerfisch nach Angebot, beim Besuch vor kurzem einen Saint Pierre, oder Rinderentrecôte an Pfeffer-Cognac- Sauce zum Hauptgang) bekommt und dazu besonderen Wein («Il Pino di Biserno» von Antinori) kennenlernt und trinkt. Und weniger eines, in dem man heute die Ideen, die gestern in der Branche entdeckt wurden, bereits umsetzt (und sie morgen schon wieder vergisst).

Nicht mehr wirklich erstaunlich
Was erstaunlich ist auf den ersten Blick. Gisela Lacher ist nämlich von den Zürcher Restaurantbetreibern, die ich kenne, diejenige, die am meisten in die Grossstädte Europas und Amerikas reist, um dort die interessantesten Lokale und Entwürfe zurzeit anzuschauen und auszuprobieren. Doch wenn man es sich etwas genauer überlegt, ist es nicht mehr wirklich erstaunlich.

Eines der besten Restaurants Zürichs
Sie tut das nämlich nicht, um zurück nach Zürich zu fahren und im ältesten Restaurant der Stadt die neusten Moden nachzumachen. Sie tut es eher, so sieht es aus, um wieder daheim in ihrem Betrieb festzustellen, dass sie zwar die eine oder andere Kleinigkeit, die ihr anderswo aufgefallen ist, übernehmen kann (das «Kindli» etwa ist eines der ersten Restaurants, in dem mir Duftkerzen auffielen, die angenehm riechen, dabei aber den Geruch, der von gutem Essen ausgeht, nicht stören); im Grossen und Ganzen aber vor allem die Art, wie sie die Dinge sieht und ihr Restaurant führt, beibehalten soll. Damit das älteste Restaurant Zürichs sich immer weiter entwickelt. Um das zu bleiben, was es schon ist: Eines der besten.

  • Gregory Gilbert-Lodge

  • Mark van Huisseling

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