Hotel Carlton St. Moritz

15. April 2016
Tipp von Mark van Huisseling

Eine Reise wert

Manchmal werden Hotels in Reklametexten als «Zuhause, weg von Zuhause» bezeichnet. Was mich angeht, kenne ich kein Hotel, das ich so nennen würde – ausser dem Carlton in St. Moritz.

Die Zuhause-Erfahrung fängt damit an, dass man, wenn man anruft, meistens den Concierge Gilberto am Apparat hat, der einen immer erkennt. Wenn man dann das grosse, am Rand des Ortes, also in angenehmer Halbdistanz zur St. Moritzer Betriebsamkeit, gelegene Haus betritt, trifft man Dominic Bachofen, den Direktor. Hoteldirektor ist ein Beruf, der nicht in fünf Arbeitstagen zu je acht Stunden zu bewältigen ist. Sondern in sieben Arbeitstagen zu je 24 Stunden. So scheint es wenigstens bei Dominic und seiner Frau Laurence zu sein – die beiden sind nämlich immer im Haus und haben immer mehr Zeit als der Gast, der immerhin Ferien macht.

Carlo Rampazzis flamboyanter Geschmack
Ich kenne das Carlton seit fast zwanzig Jahren. In dieser Zeit hat es sich stark verändert, ohne den Spirit, den es dort gibt, zu verlieren. Das hat auch damit zu tun, dass viele Mitarbeiter – inklusive der Bachofens, die nach einem Unterbruch retour kamen – länger im Hotel arbeiten, als ich dort Gast bin. Vor mittlerweile zehn Jahren wurde das über hundertjährige Haus einer Gesamterneuerung unterzogen. Wie in anderen Häusern der Tschuggen Hotel Group durfte Designer Carlo Rampazzi seinen, sagen wir, flamboyanten Geschmack walten lassen.

Ich gebe zu: Ich war nicht beeindruckt, am Anfang. Aber wie bei einem Kunstwerk, das man erst mögen lernen muss, lernte ich das neue Carlton mögen, ach was: lieben. Rampazzi soll einmal gesagt haben, seine Gäste seien offen für alle Gestaltungsideen, ausser für die, die sie in ihren eigenen Häusern schon umgesetzt haben. Er hat wahrscheinlich Recht – und rosa- oder pistachefarbene Suiten haben wohl nicht einmal Carlton-Gäste bei sich zu Hause.

Zwei Küchenchefs mit einem Michelin-Stern
Jetzt zu einem schwierigen Punkt: Grosse Hotels und ihre (weniger grossen) Restaurants. Im Carlton, darf ich schreiben, ist das kein schwieriger Punkt, sondern ein weiterer guter Grund, hinzufahren. Das italienische Gourmetlokal Da Vittorio hat zwei Küchenchefs mit einem Michelin-Stern, Enrico und Roberto Cerea. Und das ist, um einen Satz aus dem kulinarischen Führer zu entlehnen, schon eine Reise wert. Genauso wie der Spa mit seinem Warmwasser-Aussen-Planschbecken, das einen die Engadiner Eiseskälte auf angenehmste Weise erleben lässt.

Wenn ich diese Zeilen schreibe, freue ich mich schon auf meinen nächsten Anruf bei Concierge Gilberto. Und, vor allem, auf meinen nächsten Besuch bei Dominic und Laurence im Carlton in St. Moritz – meinem Zuhause, weg von Zuhause.

  • Karine & Oliver

  • Mark van Huisseling

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