Sportschuhe

15. April 2016
Wie in alten Zeiten

Zeha Berlin

Es gibt Dinge, die muss man nicht neu erfinden. Die soll man so belassen, wie sie sind, und seien sie noch so in die Jahre gekommen. Allenfalls bedarf es kleiner Anpassungen, um dem Zeitgeist respektive modernen Ansprüchen gerecht zu werden. Mehr braucht es nicht. Ein Musterbeispiel für meine Behauptung ist die Firma Zeha aus Berlin. Die produzieren unter anderem sportives Schuhwerk. Quasi nach alter Väter Sitte. Und das ist der Reiz an der Geschichte.

Es ist ganz simpel: Nichts bewegt uns Menschen mehr als gut erzählte Geschichten. Im Zentrum dieser Erzählungen stehen Menschen, die in Konflikte geraten sind und Herausforderungen meistern müssen. Niederlagen, Widerstände, ein stetes Auf und Ab wirken genauso glaubwürdig und authentisch wie kleinere und grössere Erfolge. Kontraste sind in diesem Falle das Salz in der Suppe. Sie verbinden, machen dem Auge Entzogenes erlebbar und überzeugen.

Charakteristische Doppelstreifen
Diese Geschichte begann im Jahre 1897 im thüringischen Weida, wo Schuhmachermeister Carl Hässner die Marke Zeha gründete. Hässner hatte es nicht einfach, seine Nachfolger ebenfalls nicht. Man feierte aber auch grosse Erfolge: Die als cool geltenden Sportschuhe trug man zunächst hauptsächlich beim Schulsport und auf dem Pausenplatz, doch 1960 wurde Zeha, wohl aufgrund der soliden Qualität, offizieller Sportschuhausstatter der Olympiamannschaft der DDR. Da die Athleten in den Schuhen mit den charakteristischen Doppelstreifen gleich reihenweise siegten, erlangte die eingetragene Marke Zeha in kurzer Zeit internationale Bekanntheit. Wer Zeha jetzt noch nicht kannte und trug, lebte nicht in dieser Welt.

Eines führte zum andern
Der Mauerfall, die Zusammenführung von Ost- und Westdeutschland sowie die neuen Marktbedingungen taten dem alteingesessenen Unternehmen jedoch nicht gut. Trotz grosser Beliebtheit und hohem Bekanntheitsgrad schaffte die damalige Zeha den Anschluss an die Privatisierung nicht. Eines führte zum anderen und innerhalb weniger Jahre verschwand die Marke von der Bildfläche. Damit auch von den Sportplätzen, aus den Spinden und schliesslich aus den Köpfen ihrer treuen Fans.

2002 wurde die Marke zufällig wiederentdeckt. Und zwar vom Ostberliner Alexander Barré. Bei einem Freund zu Besuch, stolperte er über betagtes Schuhwerk von Zeha. Schlagartig wurden längst vergessene Jugenderinnerungen wach und das spontane Verlangen keimte auf, mit diesem Fund etwas Handfestes zu tun. Und so führte eins zum andern: Barré folgte Anhaltspunkten und Spuren und stiess in altem Gemäuer auf Inventar aus vergangenen Zeiten: Musterkollektionen aus den 50er- und 60er-Jahren, Holzleisten, Lederschäfte und Kataloge. Auch Hinweise über die Herstellungsverfahren und die eingesetzten Werkstoffe waren darunter zu finden. Ausgerüstet mit diesem Fundus und einer gehörigen Portion unternehmerischen Mutes machte sich Barré an die Umsetzung seiner Vision: Die Wiederbelebung von Zeha.

Sportschuhe

Das Resultat kann sich sehen lassen
Nun denn, seit damals sind wiederum einige Jahre ins Land gezogen und die neuen Macher von Zeha unternahmen allerhand für ein erfolgreiches Comeback der Marke. Sie taten es mit Herzblut und unter einem ihnen gutgesinnten Stern. Das Resultat kann sich sehen lassen. Und es trägt sich ungemein gut. Ich darf das schreiben, weil ich das Produkt kenne und weiss, wie es sich anfühlt. Just in diesem Moment trage ich das Modell Liga 855 in den Farben Weiss, Blau und Cognac. Ich liebe diese Schuhe, wofür sie stehen und wie sie gefertigt sind: aussen Leder, innen Leder, eine durchgenähte Ledersohle mit Gummilaufflächen – um nur das Wichtigste zu erwähnen – und in Europa produziert.

Emotionaler Stoff zur Identifikation
Trotz der aufwendigen Machart, die ist für mich Bedingung, liegt der Reiz des Produktes an anderer Stelle. Nämlich in seiner Geschichte. Sie liefert den emotionalen Stoff zur Identifikation mit dem Unternehmen. Lässt Erfolge und Bauchlandungen miterleben, Schmerz und Seligkeit nachempfinden und damit zum Verbündeten werden. Zum Fan. Sich so in die Herzen seiner Kunden einzuprägen, werter Leser, das schafft nur, wer eine gute Geschichte hat. Und imstande ist, sie spannend zu erzählen.

  • Christian Klant

  • Walti Düggeli

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