Risa Hutwerkstatt

25. April 2016
Hutwerkstatt in Hägglingen

Handwerkskunst von Risa

Mutter und Sohn sind Handwerker mit Leib und Seele. Macher und Schaffer wie aus dem Bilderbuch, aber ziemlich gegensätzlich: Gabriela, mit feinem Schalk in den Augen, eher leise und zurückhaltend, wirkt als der gute Geist hinter den Kulissen. Julian, stets ein Lachen auf den Lippen, geht auf Tuchfühlung, ist präsent und der Akteur im Vordergrund. Die Hüte aus der Manufaktur von Gabriela und Julian sind gefragt, doch ausruhen und zurücklehnen passt nicht zum Familiengespann.

Von aussen betrachtet gibt die Liegenschaft im aargauischen Hägglingen nicht viel her, und wohl niemand erwartet hinter diesen nichtssagenden Mauern schöpferisches Tun und Wirken. Doch wahre Schätze liegen bekanntlich im Verborgenen.

In der Hutmanufaktur Risa produzieren Gabriela und Julian mit einem ausgesuchten Team von derzeit zwölf Mitarbeitenden Regen- und Panamahüte, Fedoras, Schirmmützen, Zylinder, Melonen und andere Kopfbedeckungen mehr. «Wir arbeiten auf Maschinen, die teilweise uralt sind, und setzen voll auf traditionelles Hutmacherhandwerk», sagt Julian mit Stolz. «Vieles davon ist liebevolle Handarbeit und bedarf langjähriger Erfahrung und grosser Fingerfertigkeit.»

Büroarbeit ist nicht Julians Ding
Beiden Hubers liegt das Handwerkliche. Gabriela ist gelernte Schneiderin, Julian absolvierte eine Ausbildung als Werkzeugmechaniker, bevor er Hutmacher wurde. Ihre Mitarbeitenden bringen das Wissen mit oder werden angelernt. «Es ist nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen: Personal, Produktion, Vertrieb und die Betreuung der Lieferanten», sagt Julian und meint ergänzend: «Im Herzen bin ich ja der Handwerker, Büroarbeit ist nicht so mein Ding.» Das kauft man dem 30-jährigen Geschäftsführer und Hobbymusiker sofort ab. Julian spielt seit 20 Jahren Trompete, wirkt in einer Band mit, schraubt in seiner Freizeit an einer Vespa, Jahrgang 1963, und hat ein Faible für schöne und alte Möbel. «Diese Dinge sind mir wichtig, darin liegt viel Herzblut.» Wer so jung und mit derart viel Risiko den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat, braucht eine Kraftquelle für die Tage, an denen man wieder einmal «uf Tschnurre gheit isch» und es nicht ganz so rund läuft.

Den Kopf knapp über Wasser gehalten
In der Tat hat die Hutwerkstatt eine bewegte Zeit hinter sich: 1919 gründete Marin Geissmann das Unternehmen, das er 1942 mangels Erben verkaufte. Unter den neuen Eigentümern Martin Richner und Josef Sax entstand Risa. Die neue Marke stand jedoch unter keinem besonders guten Stern: Kriegswirren, später eine allgemein sinkende Nachfrage und eine Mode, die das Tragen von Hüten nicht mehr vorsah, sorgten dafür, dass in der ganzen Schweiz ein Betrieb nach dem anderen die Produktion einstellen musste. Risa gelang es irgendwie, den Kopf knapp über Wasser zu halten.

Gabriela fing in den 80er-Jahren als Mützenmacherin im Betrieb an. Julian stiess 2008 dazu und erlernte das Handwerk des Hutmachers von der Pike auf. 2010 übernahm er den Betrieb von seinem Onkel Fritz Wicki. «Ohne meine Mutter hätte ich das aber niemals geschafft», sagt Huber mit viel Empathie in der Stimme; sie kannte die Produktionsabläufe aus dem Effeff, steuerte den Grossteil des Kapitals bei und war Julian bei allen Entscheidungen eine wichtige Stütze.

Eine, die immer etwas machen muss
Sie, die zurückhaltende Kraft im Hintergrund, ist nicht so der «Judihui- und Gigeli-Typ», wie sie sagt. «Auf unseren Schultern lasten Verantwortung und die Zukunft der Unternehmung.» Sie sei aber auch keine «Führerin», sie schätze es einfach, sich mit Dingen zu beschäftigen, die sie mag und die sie kann. «Ich bin eine, die immer etwas machen muss.» Gabriela Huber ist aber niemand, der alles auf den Kopf stellen will – Kontinuität ist ihr wichtiger. Na ja, hier ein bisschen Bereinigen, dort ein wenig das Sortiment straffen, «das muss schon sein», sagt sie und entschwindet bereits wieder, um irgendwo irgendetwas zu richten.

Nicht so der «Judihui- und Gigeli-Typ».

Ein bisschen Glück spielte auch eine Rolle
Risa ist die einzige verbliebene Hutmanufaktur der Schweiz. Ein bisschen Glück spielte dabei sicher auch eine Rolle – ohne die Leistungen von Gabriela und Julian kleinreden zu wollen. Dusel haben Gabriela und Julian aber ganz bestimmt mit sich selber. Damit, wie sie sich ergänzen und dadurch etwas schaffen können, das bleibt: Sie erhalten, angetrieben von Herzblut und Leidenschaft, eine jahrhundertalte Tradition. Belegt durch wunderbare Handwerkskunst am Hut.

  • Sebastian Magnani

  • Urs Blöchliger

0 Kommentare

Dein Kommentar

Willst du mitreden?
Sag uns, was du denkst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.