Hotel Schweizerhof

25. Juli 2016
Hotel Schweizerhof Lenzerheide

Das Gastgeberpaar

Es gibt so einiges, was ich noch tun möchte und, wenn alles gut kommt, auch noch tun werde. Eines gehört sicherlich nicht dazu: ein Hotel führen. Unvorstellbar. Lieber bin ich Gast und lasse mich verwöhnen. Alles andere überlasse ich den Spezialisten. Solchen mit der passenden Einstellung und den nötigen Qualitäten. Menschen, die explizit für eine solche Herausforderung geschaffen sind. Zum Beispiel dem Ehepaar Claudia und Andreas Züllig aus der Lenzerheide. Die machen das prima, haben Erfolg und führen das Hotel Schweizerhof bereits seit 25 Jahren. Und zwar gemeinsam: Sie als Innenministerin, er als Aussenminister.

Man mag über diese Formulierung von Claudia Züllig schmunzeln, doch diesen Vokabeln liegt ein kluges Konzept zugrunde. Verbringt man derart viel Zeit mit- und nebeneinander, bewältigt Projekte, löst Konflikte, arbeitet an Strategien und zieht nebenbei noch zwei Buben gross, dann braucht es einen soliden Plan. Bei Zülligs heisst dieser Plan Abgrenzung und Aufschlüsselung. Nur so ist es möglich, das mitunter anstrengende und intensive Arbeits- und Privatleben unter einen Hut zu bringen und auch in brenzligen Situationen am selben Strick zu ziehen.

Das sagt sich schön und schreibt sich einfach. In der Realität hingegen sind die Anforderungen hoch. Für manchen Zeitgenossen ist bereits das blosse Managen einer Familie undurchführbar – hier kommt noch ein Betrieb obendrauf. Allerdings wissen Zülligs einen bedeutenden Vorteil zu nutzen: die Kraft der Zweisamkeit. «Jeder macht das, was er gut kann», sagt der gelernte Koch und Hotelier Andreas Züllig und meint weiter: «Ich bin eher der analytische Typ, meine Stärken liegen im vernetzten Denken. Claudia hingegen hat eine ausgeprägt soziale Seite, und so ergänzen wir uns glänzend.» Was nicht heisst, dass jedes Vorhaben und jeder Beschluss ohne Schwierigkeiten über die Bühne gehen muss, wirft seine Frau gutmütig und mit einem Schmunzeln ein. Zülligs sind ein eingespieltes Team; sie wissen aus Erfahrung, was sie aneinander haben und dass sich gemeinsam Lasten tragen lassen, für die ihre Kräfte einzeln nicht ausreichen würden.

In die Wiege gelegt
Kennengelernt haben sich die beiden 1985 in Genf im Hotel de la Paix. Sie als Rezeptionistin, er als Leiter EDV der Manz Privacy Hotels. Während Claudia als Kind gerne Archäologin geworden wäre, sich heute aber «fast jede Art von Arbeit» vorstellen kann, «für die es echte Wertschätzung gibt», kam für ihren Mann ein anderer Beruf als Hotelier niemals in Frage. Und nicht nur, weil der diesen mit Passion ausübt. «Das, was ich mache, wurde mir in die Wiege gelegt. Ich bin in einem Hotel aufgewachsen und eine Alternative dazu gab es nicht», erzählt er und bekennt: «Hätte ich etwas mehr Talent, könnte ich mir vorstellen, mein Geld auch als Schriftsteller oder Filmregisseur zu verdienen.» Meint aber, mit einem Augenzwinkern in Richtung seiner Frau, dass ihm das Filmen auf ihren gemeinsamen Reisen trotzdem grosses Vergnügen bereite. Ein Eingeständnis, das die herzliche Verbindung zwischen Claudia und Andreas Züllig wunderbar beschreibt.

Runden drehen und Dampf ablassen
Seit 25 Jahren führen sie nun gemeinsam den Schweizerhof. Eine Aufgabe, die einerseits grosse Freude macht, ihnen andererseits viel Energie abverlangt. «Der stete Kontakt mit Gästen, Mitarbeitenden, Partnern und Behörden ist eine grosse Bereicherung», sagt Claudia Züllig. Allerdings gibt es auch Situationen, die negative Emotionen hervorrufen, und das kann belasten. «Dann ziehe ich meine Joggingschuhe an, steckte die Kopfhörer ins Ohr und renne zum Sound von ABBA eine Runde um den Heidsee.» Das befreit, baut auf und verscheucht düstere Gedanken. Und wer Claudia ein klein wenig kennt, der kann sie sich gut vorstellen, wie sie in der Heidner Bergwelt ihre Runden dreht und dabei Dampf ablässt. Schliesslich ist sie von Natur aus ein Sonnenschein, und das lässt sie sich so schnell nicht vermiesen. Ganz anders geht ihr Mann mit solchen Stimmungslagen um: «Problemstellungen sind immer auch Herausforderungen, und das mag ich. Hier gehe ich stets mit dem Prinzip ‹wie könnte das funktionieren› an die Arbeit.»

Hier der grosse und schlanke, zurückhaltende, auf den ersten Eindruck etwas distanziert wirkende Hoteldirektor, da seine um einen guten Kopf kleinere Ehefrau und Geschäftspartnerin mit ihrem sonnigen Gemüt. Eine wunderbare Kombination von «Gegensätze ziehen sich an» und «Gleich und Gleich gesellt sich gern». Zülligs auf jeden Fall machen klar, dass zwar jeder ein eigenes Rezept hat, das Ziel und die Ansichten darüber hingegen übereinstimmen. Und das «fast immer».

Das Herz in Botswana verloren
Fehlendes Vertrauen, mangelnde Kommunikation und Einsatzbereitschaft im Schritttempo haben beim Hotelehepaar vom Schweizerhof keine Chance. Abschalten und Auftanken, das tut man im Ferienhaus in Maienfeld. Dort gibt es sie, die ruhigen Momente zum Innehalten und Pläne schmieden. «Ab und zu ist die Belastung schon ziemlich gross. Dann brauche ich genügend Schlaf, Ruhe und etwas Zeit für mich» sagt Andreas Züllig. Ihre zwei Jungs, Nico und Gian Andrea, sind 23 und 18 Jahre alt, sehr selbständig und können sich gut organisieren. Das entlastet und gibt Raum für Neues. «Ich mag Abwechslung und spannende Herausforderungen», sagt der Präsident des Schweizer Hotelier-Vereins. Chillen können die zwei gut, zum Beispiel beim Besuch von Konzerten und Kunstausstellungen oder beim Reisen. «Ich habe meine Lieblingsorte wie das Waldhaus in Sils und das Schloss Elmau in Deutschland», sagt Claudia Züllig. «Mein Herz jedoch, das habe ich in Afrika, in Botswana, verloren.» . Auch gute Freundschaften sind dem Paar sehr wichtig. «Die pflegen wir sorgfältig und mit Bedacht. Doch wie überall zählt auch hier die Qualität und nicht die Quantität», macht Andreas Züllig klar, wie er die Prioritäten setzt. «Ich mag es, wenn man mich inspiriert und konstruktiv fordert, habe aber Mühe mit uneinsichtigen Menschen und mit solchen, die nur Risiken sehen und dafür mögliche Chancen ausblenden.»

Statussymbole sind nicht so ihr Ding
Apropos Qualität: «Wer Frühstück liebt, wird im Hotel Schweizerhof glücklich werden. In allen Belangen ein freundlicher und aufmerksamer Service, der keine Wünsche offen lässt! Vom Empfang bis zur Abreise wird man als willkommener Gast behandelt.» So und ähnlich lauten die Bewertungen auf Tripadvisor. Das kommt nicht von ungefähr. Hinter diesen Punktewertungen stecken eine Menge Herzblut und eine klare Strategie. Sie sind das Ergebnis ständiger Bemühungen zur «perfekten Gastfreundschaft». Das sowohl einfache wie wirkungsvolle Konzept des Schweizerhofs: Herzlichkeit, Empathie und gute, auf die Kundenwünsche abgestimmte Angebote. «Unsere Gäste kommen hauptsächlich aus der Schweiz und das seit vielen Jahren. Sie lieben die Natur, schätzen die Mischung aus Tradition und Moderne in unserem Haus und wissen, was sie von uns erwarten können.» Statussymbole und Prestige, das sind nicht so sehr die Dinge, die im Leben der passionierten Gastgeber einen grossen Stellenwert haben. Wichtiger sind ihnen gute Leistungen, glückliche Gäste und Anerkennung für ihr Engagement. «Es ist schön zu wissen, dass einen die Menschen schätzen und dass das, was man leistet, honoriert wird. Auch wenn man seine Arbeit gerne und mit Freude tut» sagt Claudia Züllig.

Hotel Schweizerhof

Für einige wird es eng werden
Klare Worte aus einem verzwickten Umfeld. Der Schweizer Hotelbranche ging es schon besser, steckt sie doch seit Jahren in einem ständigen Strukturwandel. Für viele Betriebe eine anspruchsvolle Phase mit unsicherer Zukunft – gelinde ausgedrückt. «Für einzelne Hotels und Regionen, die den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügen, wird es eng werden», meint Andreas Züllig und konkretisiert: «Ich glaube aber an den Innovationsgeist unserer Branche und bin sicher, dass die Übrigbleibenden gestärkt aus diesen Zeiten gehen werden.» Sagt einer, der es Kraft seiner Funktion beim Schweizer Hotelier-Verein wissen muss und zusammen mit seiner Partnerin seit einem Vierteljahrhundert täglich den Machbarkeitsbeweis für eine erfolgreiche Hotelführung liefert. Man darf gespannt sein, was die Zukunft bringt. Um den Schweizerhofhingegen, da muss sich niemand Sorgen machen, jedenfalls solange Zülligs hier das Sagen haben. Da steckt ganz einfach zu viel Herzblut dahinter.

  • Karine & Oliver

  • Urs Blöchliger

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