Hotel Valsana

31. Januar 2019
The Spiritual House

Das Valsana in Arosa

Arosa ist mir eine Herzensangelegenheit. Das Hotel Valsana an ebendiesem Ort ebenfalls. Namentlich geht das auf die Kappe der Direktoren Michael und Stephanie Lehnort.

Als 2015 das 115 Jahre alte Sporthotel Valsana abgerissen wurde, tat mir das weh. Nicht weil der in die Jahre gekommene Kasten noch etwas zu bieten gehabt hätte, sondern weil damit ein Stück altes Arosa für immer verlorenging. So jedenfalls dachte ich damals. Inzwischen denke ich anders. Und bin froh darüber, dass das alte Valsana dem neuen Valsana Platz gemacht hat. Mein Umdenken hat damit zu tun, dass das neue Haus an alter Stelle nicht Nostalgie wachruft, dafür Wohlgefallen und Behaglichkeit verspricht. So kann man es beschreiben. Man kann auch sagen, das Valsana ist der beste architektonische Wurf in Arosa überhaupt. Und würde damit keinerlei Lügen verbreiten.

Selbst wer weiter gehen und behaupten würde, der Ortseingang von Arosa, dort nämlich befindet sich das Hotel, sei aufgewertet, hätte meine Zustimmung. Das hat, um bei Äusserlichkeiten zu bleiben – zu den inneren Werten kommen wir weiter unten – mit der gefälligen Architektur zu tun. Und damit, dass der Komplex mit einem Coop-Supermarkt und einem medizinischen Zentrum komplettiert wurde. Das hat durchaus seine Vorteile, finde ich. Und untermauert das Argument mit der Aufwertung.

Soviel vorauseilendes Lob kann eine schwierige Ausgangslage sein. Für das Direktorenehepaar beispielshalber. Wie wollen Michael und Stephanie Lehnort ein Viersternehaus betreiben, das eigentlich, punkto Aufmachung, in der Fünfsterneliga mitspielt? Die Antwort ist: Sie tun es einfach. Beherzt für ihre Berufung, mit einem guten Gespür für die Gäste und einem sicheren Händchen für engagierte Mitarbeitende. Und weil ihnen, so Stephanie, die Besitzerfamilie ziemlich freie Hand lässt. Ausserdem, so ergänzt Michael, seien die Inhaber der Tschuggen Hotel Group nicht an kurzfristigen Erfolgen interessiert. Vielmehr würde Nachhaltigkeit zählen und man sei daher bereit, ins Haus respektive in Ideen zu investieren. Bedingungen, von denen andere Hoteldirektoren nur träumen können und die Erfolg versprechen, vorausgesetzt, man nutzt dieses Vertrauen und macht was draus. Was bei Lehnorts fraglos der Fall ist.

Wenn ich schreibe, das Valsana sei äusserlich ein Hingucker, ist das nicht falsch, wenn auch nur die halbe Wahrheit. Weil so zwar Sichtweisen vermittelt werden, nicht aber die ganze Geschichte erzählt wird. Und die geht so: Das Innenleben des Gasthauses, und das will ich exakt so verstanden wissen, weil sich der Gast hier Zuhause fühlt, ist in perfekter Manier aufeinander abgestimmt.

Wer die anderen Häuser der Tschuggen Hotel Group kennt, kommt rasch dahinter, dass der Möbel- und Interiordesigner Carlo Rampazzi hier ebenfalls Hand angelegt hat. Nicht derart tonangebend jedoch wie anderswo – und das ist gut so. Zwar spürt man seine Handschrift auf Schritt und Tritt, jedoch ohne Dominanz. Das gibt dem Ganzen einen Rahmen, lässt aber Raum für kreatives Wirken der Gastgeber. Das hat, so erging es mir, einen ganz besonderen Effekt. Notabene diesen, dass ich dafür eigens eine Umschreibung suchte, allein allerdings nicht auf die Lösung kam.

«Das geht auf die Kappe der Direktoren Michael und Stephanie Lehnort.»

Auf sie stosse ich am Abend beim Zusammensitzen mit DJ Leon El Ray. Seine Musik, das Essen, der Wein und die Stimmung erinnerten mich an vergangene Tage auf Ibiza im Restaurant Bambuddha. Momente, die im Herzen haften blieben, weil sie perfekt waren. Und so frage ich ihn, wie er die aufgelegte Musik nennen würde.

Er bezeichne diesen Stil als «Spiritual House» verriet mir Leon und erlöste mich damit aus im Kreise drehender Grübelei. Dieser Begriff nämlich trifft den Nagel genau auf den Kopf und umschreibt in kurzen Worten eine ziemlich komplexe Form von Wohlbefinden. Weil sie einen von Kopf bis Fuss durchdringt und die «Alltagssorgen» recht schnell ziemlich unscharf werden lässt. Ergo würde ich, sollte jemand danach fragen, das Valsana als «Haus aus einer anderen Welt» bezeichnen. Das ist als Kompliment zu verstehen und schliesst alle Mitwirkenden im Hotel gleichermassen ein. Die, ob fachmännisch ausgebildet oder nicht, allesamt einen tollen Job machen. Nur um das auch zu erwähnen.

Apropos zusammensitzen: Je gemütlicher der Abend und aufgeweckter die Runde, desto höher der kreative Output. Nicht weil das geplant ist und einem Zweck dient. Es passiert einfach. Weil man sich austauscht, einander zuhört, Gedanken aufnimmt, nachfragt, Impulse aufnimmt und Ideen weiterspinnt. Dergleichen ist uns auch passiert. Mit dem Resultat, dass dieser Beitrag hier zwar endet, die Geschichte übers Valsana und seine Gastgeber hingegen keinesfalls fertig erzählt ist. Will heissen: Fortsetzung folgt.

  • Diverse
  • Urs Blöchliger
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