Urs Blöchliger | Publizist | Magazin Zürich

17. Januar 2011
Es geht ums Kohlemachen

Falscher Fuffziger

Der Kauf von Plagiaten gilt, so die überwiegende Mehrheit, als Kavaliersdelikt. Ich persönlich finde solcherlei nur peinlich. Und armseelig.

Der aufmerksame Leser fragt sich vielleicht, weshalb wir bereits nach sieben Ausgaben unseren Auftritt geändert haben. Ich sag es Ihnen: Reine Taktik. Politik. Nichts weiter. Ich sag Ihnen auch warum: Weil wir immer häufiger kopiert oder nachgeahmt werden. Weil wir keine Lust haben, fortwährend verwechselt zu werden und schliesslich im Mainstream zu versinken. Darum. Und damit bin ich auch bereits beim Thema angelangt. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Ich verachte Plagiate, nicht nur, weil es sich um Diebstahl von fremdem Gedankengut handelt. Heutzutage wird jeder Brunz kopiert, reproduziert und nachgeäfft. Und – Teufel noch mal – auch gekauft. Und das, obschon jeder von sich behauptet, «total authentisch» zu sein. Ein Unikat. Sich selber. So ein Humbug. Die Motive der Fälscher, Kopierer und Plagiatoren kapiert man mit ein bisschen Köpfchen schnell, ihnen geht es ums Kohlemachen.

«Ein Original darf kosten, was es wert ist.»

Nicht sehr edel – aber eben nachvollziehbar. Doch dass man diesen Schrott erwerben will, leuchtet mir nicht ein – beim besten Willen nicht. Ausserdem frage ich mich, wie doof man sein muss, mit gefakten Markenprodukten rumzulaufen und damit auf «dicke Hose» zu machen. Auwei, auwei, ist das peinlich – und armselig. Ist es nicht so, dass man ein gewisses Ding darum kauft, weil man von dessen Qualität überzeugt ist, sich damit identifiziert, Sympathie dafür hegt, es verehrt, süchtig danach ist oder positive Erinnerungen daran knüpft? Eben. Und hierfür braucht es ein Original. Und das darf kosten, was es wert ist.

Doch – und das beschäftigt mich – viele Konsumenten haben mit billigen Kopien kein Problem, und der Kauf von Fälschungen (auch Medikamente, Nahrungsmittel, Technik usw.) ist mittlerweile gesellschaftsfähig geworden. Und da frage ich mich, wo genau uns das hinführen wird? Diesen folgenschweren Gedanken überlasse in nun Ihnen, dem kritischen Leser und weitsichtigen Denker.

Text: Urs Blöchliger | Fotografie: Fredy Tschui

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