Swiss Hunter Team

15. Juni 2011
Pures Adrenalin

Die Königsklasse

Die Luft ist sein Element. Wann immer sich dem Thalwiler Unternehmer Gregor Staeger eine Gelegenheit bietet, hebt er ab. Als Passagier in Linien-, Kampf- und Akrobatikmaschinen – und am liebsten mit Paul Ruppeiner, dem Verantwortlichen des Swiss Hunter Teams.

Im Alltag, nein, da käme niemand auf die Idee, ihn als Luftikus zu bezeichnen. Gregor Staeger, 48, ist ein gestandener Geschäftsmann, einer, der in seiner Bang & Olufsen-Vertretung in Thalwil beide Füsse auf dem Boden hat. «Im Job», sagt er, «bin ich sowas von geerdet.» Und niemand würde ahnen, dass ein Virus in ihm steckt. Aviatik heisst der, Fliegerei in jeder Form und überall auf der Welt. «Wenn ich Kerosin rieche oder einen 10-Zylinder-Sternmotor donnern höre, könnte ich jauchzen.»

Ein richtiges Aggregat muss brüllen
Fünfmal in Serie ist Staeger in den vergangenen Jahren zu einer Weltreise gestartet, nicht wegen irgendwelchen Traumzielen, sondern allein um unterwegs zu sein, in einem Metallvogel zu sitzen und mitzuerleben, «wie zwei Menschen im Cockpit Technik und Wetter meistern». Sein schönster Satz heisst «cleared for takeoff», zu seinen intensivsten Gefühlen gehört der Druck, der ihn beim Anrollen eines Jets in den Sessel presst. «Bei älteren Maschinen schüttelt es jeweils den ganzen Kessel», schwärmt er und bedauert, dass Neuzeittypen «wie bessere Staubsauger» tönen. «Ein richtiges Aggregat muss brüllen – das ist für mich himmlischste Musik.»

Eine Art Königsklasse
Staeger ist immer Mitflieger, selber hat er sich nie um eine Pilotenlizenz bemüht. Er konzentriert sich allein auf die Erlebnisse, die bei ihm «Adrenalin vom Granatigsten» freisetzen. Die ersten hatte er mit seinem älteren Bruder, einem Helikopterpiloten. «In der Schweiz kenne ich seither jeden Berggipfel». Über einen befreundeten Swissair- Captain fand er dann zu Linienfliegern, mit denen er regelmässig auf Langstrecke ging. «Brasilien retour in drei Tagen – solche Spontantrips habe ich schon zigmal gemacht.» Eine Offenbarung war für ihn der Akrobatik-Flug in einem offenen Stearman- Doppeldecker, den ihm seine Freundin zum 40. Geburtstag schenkte. Über dem Walensee, beim ersten Rückenflug in den Gurten hängend, hatte er «schier de Gagg i de Hose». Der Pilot war Paul Ruppeiner, 60, Ex-Swissair-Captain und ehemaliger Mitarbeiter von Staegers Vater. Die Wiedersehensfreude war gross, und Ruppeiner sagte nach der Landung: «Das nächste für dich ist der Hunter». Der Hunter. Eine Art Königsklasse. Noch vier Exemplare der englischen Kampfmaschine besitzt das Swiss Hunter Team in Altenrhein, für das Ruppeiner verantwortlich ist.

Der glücklichste Mann des Universums
Vor einem Jahr stieg Staeger in einen der beiden Doppelsitzer, und als Ruppeiner auf dem Flugplatz Samedan das Verfahren für einen jederzeit möglichen Triebwerkausfall nach dem Start runterbetete, sagte er sich: «Tammi nomal, was tue ich mir da an?» Sekunden später war er in der Luft, spürte gigantische Kräfte, hatte kurz mal schwarze Vorhänge vor den Augen, fühlte sich wie einbetoniert im Gurtzeug, wollte alles, bloss nicht auf den Boden zurück – und hatte vergessen, dass der Jet bei einer Panne «runterfällt wie ein Sack». Als Staeger aus dem Cockpit stieg, «war ich pitschnass, aber der glücklichste Mann des Universums». «Das Spektakel ist mir jeden Rappen wert.» So wie jenes im Airbus A380, mit dem er nach dem Jungfernflug nach Sydney düste. Oder das in der wellblechernen Ju 52 über den Alpen. «Was ich leider verpasst habe, ist ein Trip mit der Concorde.» In alles andere, sagt Staeger, werde er weiterhin mit bubenhafter Freude steigen. «Bis zum Schwarzwerden.»

  • Siggi Bucher

  • Roland Falk

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