Carrosseriespenglerei Scheiwiller

28. Juli 2011
Ein echt guter Kerl

Roger Scheiwiller

Wie der Vater, so nicht der Sohn: Roger Scheiwiller führt die gleichnamige Zürcher Carrosseriefirma in der dritten Generation – und das ganz anders als die Männer vor ihm. Und so bekommen hier auch jene eine Chance, die es sonst eher schwierig haben.

1928, nach seiner Lehre zum Carrosseriespengler, eröffnete Josef Scheiwiller eine Garage an der Badenerstrasse in Zürich. Damals war es für Menschen, die sich sowas leisten konnten, üblich, ein eigenes Auto bauen zu lassen, ein Unikat nach ihren Vorstellungen. Scheiwiller war der richtige Mann dafür. Doch das Garagengeschäft veränderte sich mit der Zeit, wurde zu einem für Unfälle und Parkschäden, vielleicht mal für eine Radkastenverbreiterung, und als Josef Scheiwiller 1985 starb, nahm er seine Handwerkskunst mit sich. Schon sein Sohn René, der die Geschäfte übernahm, wusste die alten Blechbearbeitungsmaschinen nicht mehr so behände zu bedienen. René Scheiwiller war wie sein Vater Josef: gewissenhaft, arbeitsam, werklich.

«Ich beschäftige hier drei fremdsprachige Leute, die haben anderswo keine Chance.»

Prüfung mit Bravour bestanden
Er führte die Garage bis 1995, dann übergab er an seinen Sohn Roger und zog sich zurück. Roger Scheiwiller war bei seinem Vater in die Lehre gegangen; von 1977 bis 1981. Dessen grösste Sorge war, dass der Sohn die Meisterprüfung nicht bestehen könnte – eine ungeheure Schmach. «Wie stehen wir nachher da!» rief er schon mal vorsorglich. Doch Roger bestand die Prüfung mit Bravour. Roger Scheiwiller schlägt nicht so ganz nach seinem Papa. Nahm sich dieser kaum je Zeit für ein Gespräch mit einem Kunden, sondern beschränkte den Austausch auf die zu machende Reparatur und deren Kosten, schätzt Roger vor allem die persönlichen Kontakte mit der Kundschaft; und während bei Vater René neben der Arbeitsleistung wenig zählte, ist der Sohn so geraten, dass er gern mal ein Auge zudrückt, wenn einer der sechzehn Mitarbeiter gerade eine schwierige Phase hat. Er sagt es so: «Ich beschäftige hier drei fremdsprachige Leute, die haben anderswo keine Chance.» Und seine Schwester Caroline, mit der zusammen er die Garage führt und die dafür sorgt, dass er die Geburtstage der Belegschaft nicht vergisst, fügt lächelnd hinzu: «Er nimmt immer wieder mal einen Lehrling, der Probleme hat.»

Carrosseriespenglerei Scheiwiller

Disziplin in den Laden bringen
«Nicht jeder kann mit der kollegialen Art umgehen», sagt Scheiwiller allerdings, und man merkt, dass es ihm ganz recht wäre, es wäre anders: «Ich habe es gern harmonisch. Konflikte mag ich nicht.» Vater René ist dieser Führungsstil fremd, und so meldet er denn seine Zweifel an, wenn er vorbeikommt, um nach dem Rechten zu schauen. René Scheiwiller hätte niemals Geld in die Hand genommen für neue Büromöbel, solange die alten noch zu brauchen sind, er würde strenger mit den Angestellten sein, und überhaupt, mehr Disziplin in den Laden bringen. Aber auch wenn er nach aussen gerne den strengen Vater und Patron gibt, stolz ist der alte Herr Scheiwiller natürlich schon auf seinen Sohn. Nur allzusehr zeigen mag er es nicht, das ist nicht seine Art. Seine Tochter Caroline aber weiss genau: «Er steht voll hinter Roger.»

Roger ist der dritte Scheiwiller in dieser Garage – und ziemlich sicher der letzte. Denn seine beiden Söhne haben es nicht mit der Spenglerei und gehen andere Wege: Der eine studiert Wirtschaft, der andere hat gerade eine Informatiklehre abgeschlossen. «Scheiwiller wird trotzdem die beste Carrosseriespenglerei der Stadt bleiben», versichert Roger Scheiwiller: «auch wenn der nächste Chef nicht so heissen wird.»

  • Marc Kollmuss

  • Thomas Meyer

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