Brauerei im Berg | Weisslingen | Magazin Zürich

20. März 2020
Bilder im Kopf und Bierideen

Über Helden, Geschmack und Lagerfeuer

Das Geheimnis von gutem Bier steckt im Drumherum. Und bei denen, die wissen, wie man solcherlei zur Wirkung bringt.

Beim Bier geht es um Emotionen. Soviel dürfte klar sein. Was hingegen weniger klar ist, weil sich hier die Geister scheiden, ist, was ein gutes Bier ausmacht. Fragt man den einen, sagt er das. Fragt man die andere, findet sie dies. Nicht weiter verwunderlich: Bekanntlich lässt sich über Geschmack nicht streiten – aber endlos lang diskutieren. Jetzt kommt noch eine Meinung dazu. Und die geht so:

Gut ist, was schmeckt. Einen Kodex gibts da nicht. Nur ein Empfinden. Welches mitunter von der Stimmung abhängt. Die ist, so die These, auch wieder von irgendetwas abhängig. Vom Ort beispielsweise. Der Tageszeit. Dem Wetter. Oder dem Lokal, der Trinkrunde, der Musik im Hintergrund. Abhängigkeiten gibt es wie Sand am Meer. Zumindest aber wie Biere im Angebot – welches mit rund 4000 in der Schweiz produzierten Biersorten breit und tief ist.

Bier allein aber ist nur Bier. Was die Sache spannend macht, ist die Geschichte dahinter. Sprich, wie es dazu kam, was jetzt ist und wer die Bieridee dazu hatte. Welche Klippen umschifft werden mussten, was dabei schief ging und wohin die Reise gehen soll. Warum dem so ist, fragen Sie? Weil der Mensch neugierig ist. Weil er sich gerne unterhalten lässt. Wenn es irgendwie geht über alle Sinne. Am besten jedoch zielt man auf das Herz. Weil der Mensch nie rational entscheidet, sondern immer emotional.

Reklame für fünf charaktervolle Biere
Über die Brauerei im Berg in Weisslingen berichteten wir bereits. Worüber wir damals nicht schrieben: Ihre Heldin und ihre Helden. Derzeit sind das fünf: Eine Nonne, ein Zwerg, eine Art König sowie zwei weitere charismatische Figuren. In jedem Charakter steckt eine Botschaft. Ein Versprechen. Ja, auch eine Weissagung. Mit dem Ziel, zwischen vergorenem Gerstensaft und Geniesser eine Verbindung herzustellen. Sprich Reklame zu machen für fünf charaktervolle Biere. Und das, weil man die Heimat liebt und schätzt, mit Bezug auf Attraktionen vor der Haustür.

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Was das angeht, hat Weisslingen einiges zu bieten: Einen Berg etwa, der kein Berg ist (wer näheres wissen will, liest die vorangegangene Reportage). Umgeben ist der Ort von Feldern, Wiesen, Wäldern und sagenumwobenen Tälern, die schon lange vor unserer Zeit besiedelt und genutzt wurden. Von den Römern und später von den Alemannen etwa. Oder vom Bierbrauer Wagner, der im 19. Jahrhundert ebenfalls ein Brauhaus betrieb und den Brauiweiher ausheben liess, um daraus Eis zu brechen. Kurz und gut: Material zum Erzählen gibt es genug. Stoff zum Spintisieren ebenfalls.

Worte malen Bilder im Kopf
Menschen lieben gute Geschichten. Seit jeher. Ob gelesen, gehört oder gesprochen. Was den Höhlenbewohnern heilig war, setzte sich irgendwann in der Heiligen Schrift fort, wurde von den Gebrüdern Grimm aufgenommen, später von Hollywood spektakulär inszeniert und neuerdings millionenfach auf YouTube abgespielt. Geblieben ist dies: Worte malen Bilder im Kopf. Und weil sich Bilder gut merken lassen, bleiben sie mit Leichtigkeit haften. Oder an einem kleben, wie der berühmte Bierdeckel am Glas.

Bei der Brauerei im Berg weiss man um diese Zauberei und richtet sich danach. Sprich, man lässt seine Mischwesen für sich sprechen. Auf einem Harass aus Karton beispielsweise. Notabene aus dem Hause Bourquin stammend. Wo die einzelnen Figuren zusammenfinden und gemeinsam ein Abenteuer erleben: im Caravan Of Wisliger Beer. Und damit Aufmerksamkeit ernten, Herzen öffnen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

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Ich sagte es schon: Es geht immer um Emotionen. Ausnahmen gibt es nicht. Ob ich, nur so zum Sagen, die «Biraffe», das fünfte Bier im Bund und mein Favorit, darum besonders mag, weil es stark ist und fruchtig, vermag ich nicht zu lokalisieren. Zumindest nicht eindeutig. Eindeutig hingegen ist, warum mich die Figur anspricht:

Ich hab da ein Bild im Kopf
Und weiss noch, als wir das erste Mal gechillt haben im Loft
Ich bewahr’ mir dieses Bild im Kopf

Wer jetzt meint, digitales Lagerfeuer würde nicht funktionieren, hat in dem Moment, in dem er diese Zeilen liest, den Beweis vor Augen, dass es eben doch funktioniert.

Text: Urs Blöchliger | Fotografie: Karine & Oliver

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