Andreas Panzer, Stilecht

278. Juni 2017
Zeit ist Geld und beides ist knapp

Wo der Hund begraben liegt

Wir sind armi Chaibe! So viel ist mal klar. Unsereins steckt tief im Schlamassel. In der Tourismuskrise, der Bankenkrise und dazu in der Frankenkrise, also quasi bis zum Hals. Und das nicht erst seit gestern. Also haben wir guten Grund zum Klagen. Schliesslich machen das alle so. Und was zeigt uns die Praxis? Wer lauter schreit, hat Recht und wird belohnt.

Diese These, sie stammt nicht von mir, ist wissenschaftlich belegt. Gutheissen tu ich sie dennoch nicht. Ich habe nämlich herausgefunden, ganz alleine für mich, dass Jammern und Klagen reine Energieverschwendung sind. Obendrein versauen sie uns die gute Laune, ziehen einen runter und sind so ansteckend wie eine Erkältung. Konzentrieren wir uns lieber auf Dinge, sag ich, die wir selber in die Hand nehmen können. Aber Obacht, auch hier gilt: Ein Plan ohne Aktion bringt nichts. Umgekehrt verhält es sich jedoch genauso. Mein Heimatkanton liefert für den Umkehrfall ein kreatives Beispiel:

Der Verein Graubünden Ferien hat sich kürzlich neu aufgestellt. CEO und Präsidenten ausgewechselt und ein hehres Strategiepapier erstellt. Darin wurden Quellmärkte analysiert, Neigungsgruppen definiert und Kompetenzzentren geschaffen. Tönt sackstark, so richtig nach Marketing, und völlig logisch. Man hat ausserdem, so scheint es, erfasst, dass die Winter nicht mehr so schneereich sind. Blöd nur, die Gäste haben es zuerst bemerkt und jagen zu Weihnachten den Berg mit dem Bike hinunter. Also muss das Zepter wieder übernommen und geschäftig mitgewirkt werden. Wie das funktioniert? Man druckt Broschüren und Plakate, schaltet Inserate und Kampagnen, sucht Spezialisten und lässt Internetseiten programmieren. „Digitalisieren“ heisst das Zauberwort. Denn der Alltag, so hat man gehört, ist digital. Und schnell soll das Ganze gehen. Denn Zeit ist Geld und beides ist knapp.

Die Ursachen behandeln
Aktiv werden ist gut, finde ich, aber bitte mit Verstand. Und etwas Geduld. Lamentieren nützt zwar nichts, blinder Aktionismus ist allerdings auch kein kluger Ratgeber. Vernünftiger ist, so denke ich, auf Distanz zum Problem zu gehen. Sich zu fragen, wo genau es denn liegt, das Problem. Einmal lokalisiert, könnte man es bei den Wurzeln packen, sprich die Ursachen behandeln, und weniger die Symptome bekämpfen. Dieser Ansatz, alte Schule übrigens, ist sicher nicht verkehrt – und kluge Menschen halten sich zuweilen an solcherlei Lehrsätze.

Prävention leisten
Manchmal tut man solches besser gemeinsam als jeder für sich. Die Vorteile nämlich, die liegen darin, dass sich im Miteinander leichter und früher erkennen lässt, wo der Hund begraben liegt. Man könnte also, mit relativ geringem Aufwand, Prävention leisten statt reaktiv handeln. Und dabei erst noch kreativ sein. Und wenn diese Kreationen dann auch noch koordiniert eingesetzt werden, ja dann, also dann gibt es wieder Hoffnung für den Tourismus. Für die Banken und den ganzen Rest übrigens auch.

Über den Autor
Andreas Panzer ist Inhaber der Agentur Stilecht und ein Fürsprecher fundierter Ausbildung. «Weil diese Perspektiven öffnet», wie er sagt.

  • Karine & Oliver

  • Andreas Panzer

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