Oliver Wullschleger | Marco Zehnder | Bourquin | Steinfels | Magazin Zürich

26. September 2019
APROPOS MARKETING

Dem Denken eine neue Richtung geben

Kreativität hat nichts mit einer bestimmten Tätigkeit zu tun. Es ist eine Haltung. Notabene mit der Absicht, etwas Neues entstehen zu lassen, nicht etwas Bestehendes nur nachzumachen.

Kritiker mögen sagen, dass Kreativität üblicherweise im Widerspruch zur Produktivität steht. Worauf ich antworte, dass diese Auslegung falsch ist, und das Gegenteil behaupte: Fantasie ist der Kraftstoff für Produktivität. Während Wissen und Intelligenz helfen, die Dinge zu verstehen, beabsichtigt Kreativität, etwas Neues ins Leben zu rufen. Da allerdings fast alles irgendwann schon einmal erdacht wurde und daher die meisten Ideen und Erfindungen lediglich Weiterentwicklungen von bereits Erdachtem sind, ist das vielleicht nicht immer von Grund auf möglich – im Ansatz jedoch schon. Etwa dadurch, indem man etablierte Systeme mit exotischen Elementen kombiniert und daraus Alternativen entstehen lässt.

Hunderterlei Kundenbedürfnisse
In der Kartonindustrie, wo ich mein Auskommen verdiene, ist es nicht so, dass wir vor Selbstvertrauen strotzen und mit schöpferischen Einfällen die Welt revolutionieren. Dazu sind wir, so die Vermutung, zu behäbig und tendenziell zu unbeholfen. Stellenweise eventuell gar überfordert. Was mitunter mit den immensen Anschaffungskosten, dem rasanten technischen Wandel, den hunderterlei Kundenbedürfnissen und dem stets wachsenden Kostendruck zu tun haben mag. Was keine Rechtfertigung sein soll, nur eine Erklärung.

«Quasi ein Naturgesetz.»

Andererseits können auch kleine Schritte eine grosse Wirkung erzielen,eine Portion divergierendes Denken vorausgesetzt. Will sagen, wenn wir ausserhalb der gewohnten Strukturen denken, uns weniger um Normen und Regeln kümmern, dafür offen und neugierig sind, die Fähigkeit besitzen, die Perspektive zu wechseln und neue Aspekte einbeziehen, stolpern wir automatisch über mehr Möglichkeiten. Das ist quasi ein Naturgesetz. So, wie jeder Ursache eine Wirkung folgt. Und jede Wirkung aus einer Ursache entsteht.

Auslösen von Kaufimpulsen
Eine Verpackung muss, um bei einem einleuchtenden Beispiel zu bleiben, Flaschen schützen. Das ist der primäre Leistungsauftrag. Wer diese Vorbedingung nicht erfüllt, bleibt auf seinen Kartons sitzen. Und weil das niemand will, reissen sich die Produzenten, was das betrifft, Arme und Beine aus. Verlieren dabei allerdings andere Aspekte wie Haptik, Umweltverträglichkeit, Wiederverwendbarkeit und visuelles Erscheinungsbild aus den Augen. Und vergeben damit haufenweise Chancen. Mit einem emotional aufgeladenen Produkt einen Kaufimpuls auszulösen, wäre eine davon – mit Geschichten, die alle Sinne ansprechen. Wie das genau funktioniert, verrate ich Ihnen beim nächsten Mal, anhand des Paradebeispiels Steinfels Wine & Spirits.

  • Karine & Oliver
  • Marco Zehnder

Über den Autor
Marco Zehnder ist Marketingleiter bei Bourquin SA und Brieger.
2012 wechselte er von der Automobilbranche in die Verpackungsindustrie. Familie, Gesellschaft und Kultur sind ihm wichtig und sportliche Karossen nach wie vor seine Leidenschaft.

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