Raymond Inauen

17. Oktober 2012
Erzählungen rund um Zürich

Des Nachts im Regen

Die einen hassen den Regen. Ich liebe ihn. Er regt mich an und erfrischt. Er tröstet und heilt. Mit leisen Tropfen belebt er des Nachts die Strassen. Nass glänzend werfen die Bürgersteige die Lichter der Laternen, der Geschäfte und Leuchtreklamen zurück. Spiegeln die Welt. Jede Pfütze eine farbenreiche Reflexion der Szenerie ringsherum, bereit, uns in poetische Verwunderung zu versetzen.

Da stehe ich nun im Regen und warte. Auf dass etwas passiert. Auf dass ich dieses einmalige Bühnenbild menschlich beseelen und festhalten kann. Ich warte, während der Wind die kalten Tropfen vor sich her treibt, und frage mich, wer hinter den wenigen silbern erhellten Fenstern Wache hält. Und dann: Wie aus dem Nichts ist er da, reisst mich aus meinen behaglichen Gedanken. Bedächtigen Schrittes schreitet mein Protagonist voran, den Schirm zum Schutz über sich haltend. Kurz den Blick in meine Richtung. Eine Mahnung, eine Aufforderung, ein Hallo und gute Nacht?

Was bleibt, ist ein Blick zurück
So flüchtig, so unheimlich fragil ist der Moment, eine Impression wie diese festhalten zu können. Es ist nur ein kurzer Augenblick vom Jetzt in die Zukunft. Schneller als das Verglühen einer Sternschnuppe. Was bleibt, ist ein Blick zurück in die Vergangenheit. Und das unbeschreibliche Gefühl, bei etwas Kostbarem dabei gewesen zu sein.

  • Ray Inauen

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