Leo, der Publizist

9. Januar 2017
EDITORIAL

Geht das auch auf Deutsch?

Holy Cow, Bank-now, Mammut Store, Foot Locker, Mobile Zone, Manpower, Cembra Money Bank und McDonald’s. Jetzt leckt’s mich am Arsch: das ist nicht der Piccadilly Circus. Auch nicht die Fifth Avenue in Manhattan. Nein, dieses Potpourri an Anglizismen steht, hängt und klebt mitten in der Stadt Zürich. Einzusehen von einer einzigen Ecke aus, der Tramhaltestelle am Löwenplatz.

Ich sage es ganz offen: Ich mag diesen Scheiss nicht. Dabei stört mich nicht die gelegentliche Verwendung von Lehn- und Fremdwörtern. Was mich nervt, ist die Dosis davon. Sie ist irgendwie toxisch.

Früher waren wir lässig
Einst hiess es Fahrkarte oder Billett. Heute ist es ein Ticket. Jedes simple Ereignis ist heutzutage ein Event. Früher waren wir lässig, derzeit sind die Kids mega cool. Der Spaziergang durch die Stadt wurde zur Shopping Tour durch die City. Der Finanzberater hat kein Fachwissen in Geldangelegenheiten mehr, sondern «competence in finance». Der Hauswart wurde zum Facility Manager, die Sekretärin zum Executive Assistant und der Strassenarbeiter ist ein Soil Movement Engineer (sagt mal, kriegt der jetzt auch mehr Knete?).

Wir sagen «wow», fühlen uns sad und denken, wenn etwas den Bach runtergeht, «shit happens».

Statt Gefühlen haben wir Feelings
Stadtmenschen heissen mittlerweile Urbanites. Diese treiben keinen Sport, sondern gehen ins Gym und absolvieren dort ihr Workout. Sie sagen «a very tough one». Oder sie joggen, walken, biken, skaten und trekken. Statt Gefühlen haben wir Feelings, Fun und great Moments. Wir sagen «wow», fühlen uns sad und denken, wenn etwas den Bach runtergeht, «shit happens». Alles, was wir tun macht sense oder no sense. Unser Leben ist strange, manchmal tough, hat always two sides und für all die gutverdienenden Expats it has never been better.

Wäre ich smart und up do date, würde ich das alles auch totally cool finden. Sage zu dem ganzen Bullshit aber nur: Scheiss drauf! Das hört sich viel treffender an. Irgendwie auch authentischer. Und verstehen tut es auch jeder. Danke für Eure Aufmerksamkeit.

  • Karine & Oliver

  • Urs Blöchliger

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