Leo, der Publizist

16. Januar 2013
EDITORIAL

Geht nicht gibt’s nicht

Unser Primarlehrer aus der fünften Klasse hiess Robert Walter. Eine seiner Macken bestand darin, die Leistungsanforderungen an uns mit Aphorismen zu unterstreichen. Im Klartext hiess das dann beim Rundenwaldlauf etwa: «Einmal ist keinmal, zweimal ist zu wenig».

Vor schwierigen Schularbeiten mahnte er uns mit «Geht nicht gibt’s nicht». Und für jede Aufgabe, die er bewerten konnte, wollte er «Marke Armbrust», damals das Synonym für Schweizer Qualitätsarbeit. Mein Vater selig hieb noch einen obendrauf, er meinte «wenn du willst, kannst du auch». Eine von ihm abgeänderte Version von Mazzinis «Das Geheimnis des Könnens liegt im Wollen». Das Ganze war manchmal echt hart. Und zuweilen zum Verzweifeln. Denn welcher Spross hat schon wasserdichtes Material gegen solch pädagogischen Tiefsinn? Was ich sagen will: Wir waren diesen Herren und ihrer Doktrin schlichtweg ausgeliefert.

«Was du allein nicht hinkriegst, das schaffen wir zusammen.»

Doch oha lätz. Im Nachhinein muss ich anerkennen, dass diese Boot-Camp-Methode bombig und nachhaltig wirkt. Denn dank der Schleiferei hat sich in meinem Kopf festgesetzt, dass sich nahezu alles erreichen lässt. Man muss zwar ein bisschen ein Schweinehund sein; zumindest gegen sich selber, und mitunter muss man sich auch quälen können. Doch wie gesagt: Am Schluss haut’s hin. Das ist die eine Wahrheit. Zweitens braucht es Menschen, die an einen glauben, die Unterstützung bieten, eine Idee mittragen und klar signalisieren: Was du allein nicht hinkriegst, das schaffen wir zusammen. Da verlangt es eine Familie, Freunde, Partner und Mitspieler, die in Momenten der Schwäche zu dir halten und in Momenten der Stärke an dich glauben. Dann klappt es tatsächlich. Ein gelungenes Beweisstück dafür halten Sie just in den Händen. Es ist die 10. Ausgabe von Zürich. Quasi eine Jubiläumsausgabe.

Wenn Ihnen, werte Leser, die Ausbeute meiner These gefällt, so gilt dieses Kompliment in erster Linie den Drillmeistern aus meinen Kindheitstagen und all jenen, die mich seit Jahren tagtäglich unterstützen, mir Freund sind, an mich glauben und mir ihr Vertrauen schenken.

  • Karine & Oliver
  • Urs Blöchliger
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