Leo, der Publizist

17. August 2010
EDITORIAL

Keiner hatte Schuld, nur wir selber

Als Jahrgang 1962 hatte ich das Privileg ein einzigartiges Jahrzehnt mitzuerleben. Teilweise wenigstens und als Knirps natürlich. Aber immerhin. Die flippigen 70er Jahre bekam ich dann schon selbständiger mit und die 80er erwischten mich voll (in viel zu engen Jeans und spitzen Schuhen). Breitseite. Das ganze Programm. Trotz der damals schmerzlichen Erfahrungen muss ich rückblickend feststellen: Besser wurde es nie mehr.

Sie können mir jetzt unterstellen, dass ich dazu neige, die Vergangenheit idealisiert zu betrachten. Lass ich gelten. Vielleicht tue ich das wirklich. Und den Einwand, dass früher nicht alles besser war, lass ich ebenfalls gelten. Nein, früher war tatsächlich nicht alles besser. Aber manches schon: Wir spielten auf der Strasse Fussball und zuhause mit Spielzeug aus echtem Holz. Elektronische Unterhaltung war uns fremd. Wir hatten Freunde. Auf die konnten wir zählen. Die Grenzen waren klarer, die Strafen härter. Wir sagten «Bitte» und «Danke» anstatt «Was geht ab, Mann». Unsereiner baute Mist. Auch grossen. Doch niemand haute uns raus, wir mussten das selber tun. Wer nicht schlau genug war, segelte durch Prüfungen und wiederholte Klassen. Doch deswegen gab es keine aufgeregten Elternabende. Dafür lehrte man uns Pünktlichkeit, Anstand und Respekt. Für jene, die es nicht kapierten, hatte das Konsequenzen. Mitunter schmerzhafte. Niemand wurde deshalb verklagt. Keiner hatte Schuld, nur wir selber.

«Die Grenzen waren klarer, die Strafen härter.»

Wir hatten Erfolg und Misserfolg
Sie meinen, heute sei es besser!? Möglich. Ich jedoch denke, es wäre besser, es würde wieder gut gehen. Und ich frage mich, wo sind die alten Werte geblieben? Was war an diesem Denken so falsch? Man gab uns Freiheit und Verantwortung. Wir hatten Erfolg und Misserfolg. Und wir mussten lernen damit umzugehen. Im Sinne von: Stehe Deinen Mann und verantworte Dein Tun. Wäre demzufolge eine Rückbesinnung auf ebendiese Werte nicht sinnvoll? Oder gar erforderlich? Das weitere Nachdenken überlasse ich nun Ihnen – und wünsche beste Unterhaltung beim Lesen unserer Beiträge.

  • Karine & Oliver

  • Urs Blöchliger

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