Leo, der Publizist

21. September 2017
EDITORIAL

Ganz im ernst? «Leck mich am Arsch»

Myanmar, Türkei, Ukraine, Naher Osten, Syrien, weiss der Teufel wo sonst noch – Beispiele gibt es in rauen Mengen. Guck dich um und du bist einfach nur schockiert. Und zwar runter bis auf die blanken Knochen! Und das nicht nur wegen all den tiefschwarzen Lügen, die uns täglich aufgetischt werden.

Auch wegen dem pervers anmutenden politischen Hick-Hack, dem infantilen Kräftemessen geistesgestörter Staatsmänner, der Gier internationaler Konzerne, der weltweiten und himmelschreienden Korruption, der Ignoranz der Vereinten Nationen und wegen der universellen Machtlosigkeit der Mittel- und Geistlosen. Von leidenden Tieren und dem besorgniserregenden Zustand der Natur will ich an dieser Stelle gar nicht sprechen. Zutiefst verachte ich daher, nur als Beispiel, diese scheinheiligen Arschlöcher, die darüber debattieren, ob «Mohrenkopf» politisch korrekt sei und der Zählreim «Zehn kleine Negerlein» ungestraft verwendet werden dürfe. Seid ihr eigentlich noch bei Trost? Seht ihr nicht, wie links und rechts alles den Bach runter geht? Wir Menschen den Karren volle Kanne an die Wand fahren? Und habt ihr ernsthaft das Gefühl, mit diesem rhetorischen Gedöns liesse sich von der wirklichen und tatsächlichen Diskriminierung im Alltagsleben ablenken? Einen Scheiss tut es das!

Nur so nebenbei platziert
Wen schert es, ob jemand als «Tschingg», «Kuhschweizer», «Neger» oder «Jugo» tituliert wird? Jemanden, der alle Tassen im Schrank hat, gewiss nicht. Eine Miniportion Selbstwertgefühl setze ich hier voraus. Kümmern tut es uns hingegen, ob wir fair bezahlte Arbeit haben, genügend Essen auf dem Tisch steht, sauberes Wasser zur Verfügung steht, wir quer denken, frei handeln und in Frieden leben können. Werte halt, die in unseren Breitengraden als gegeben gelten, es jedoch mitnichten sind. Das, ihr Dilettanten, nur so nebenbei platziert.

Konzentriert und kompromisslos
Lenkt eure Energie also auf das Wesentliche. Würden sich die Vereinten Nationen nämlich, nochmals ein Beispiel, geschlossen auf ihre Grundsätze konzentrieren und kompromisslos gegen Grössenwahnsinnige wie Erdogan, Baschar al-Assad und Kim Kim Jong-un vorgehen, gäbe es nicht derart viele Kriege, dafür weniger Armut und auch keine Flüchtlingsströme. Und mit letzterem auch weniger Angst vor Überfremdung, Identitätsverlust und nationalem Wertezerfall. Und dort, wo Länder und deren Systeme in Schieflage geraten, könnte man vor Ort helfen. Gezielt und nach bestem Wissen und Gewissen. Im Wissen darum notabene, dass in anderen Ländern auch andersartige Kulturen existieren. Und Religionen. Beides mit unseren Wertesystemen jedoch nichts am Hut haben muss, trotzdem aber nicht zwingend falsch ist. Weder das Eine noch das Andere. Alles klar soweit?

Da liegt der Hund begraben
Man darf mir jetzt nachsagen, dass ich komplexe Sachverhalte total vereinfacht darstelle. Worauf ich mit «leck mich am Arsch» antworten würde. Das Geheiminis des Könnens, geschätzte Leser, liegt nämlich im Wollen. Nur, so denke ich, exakt da liegt der Hund begraben: Es will gar niemand so richtig. Und wirklich schon gar nicht. Weshalb? Weil die wirtschaftlichen, geopolitischen und individuellen Interessen unerreichbar weit auseinander liegen. Das ist die einzige Wahrheit. Umso trauriger ist sie. Auf den Mars fliegen aber, das können wir. Und bald noch weiter. Ungeachtet dieser «Meisterleistung» türmt sich derweil vor der Haustüre ungestört der täglich anwachsende Mist.

  • Karine & Oliver

  • Urs Blöchliger

6 Kommentare
    • Urs Blöchliger
      Urs Blöchliger says:

      Sehe ich ganz ähnlich lieber Dieter. Obschon ich, ganz ehrlich, deine Zeile zweimal lesen musst. Wegen dem lustigen Appenzeller Dialekt.

      Antworten

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