The Capra Saas-Fee

30. März 2016
HOTEL-TIPP

The Capra Saas-Fee

Saas-Fee? Keine Ahnung, war ich noch nie. Capra? Was soll das sein? Ein Hotel. Nie gehört. Als mich Hotelexpertin Julia Faulhaber fragte, ob ich Lust hätte, darüber zu berichten, war ich ziemlich ahnungslos. Und unberührt. Das ist nicht mal so schlecht. Denn wer keine Erwartungen hat, kann auch nicht desillusioniert werden. Will heissen, man darf das Thema ungezwungen angehen und sich beeindrucken lassen. Ein Credo, das selbstverständlich zwei Seiten hat. Soviel schon einmal vorab: Wir wurden nicht enttäuscht. Wir wurden überrascht. Und verwöhnt. Und zwar nach Strich und Faden.

Wer von Zürich nach Saas-Fee fährt, der macht eine Reise. Wir nahmen die Strecke via Luzern, über den Brünigpass, entlang am eisblauen Brienzer- und Thunersee, dann durch das Kandertal. Wir verluden in Kandersteg, fuhren Huckepack durch den Lötschberg und machten eine kurze Pause in Steg (in der Café-Bar zum Stäfi gibt es feine Nussstangen). Von dort aus ging es via Visp über Stalden, Eisten und Saas-Balen nach Saas-Fee. Auf der ganzen Fahrt dahin begleitete uns ein tiefblauer Himmel. Die beste Voraussetzung für gute Laune.

Kleine und grössere Gletscher
In Saas-Fee, und das finde ich schon mal gut, gibt es (ähnlich wie in Zermatt) keinen Verkehr. Nur Elektrotaxis. Für jene, die ein Transportmittel brauchen. Taten wir nicht. Wir parkierten unser Gefährt bequem am Dorfrand und flanierten in weniger als fünf Minuten zum Hotel. Vorbei an uralten, windschiefen Speichern und Gädini aus sonnenverbranntem Lärchenholz. Immer mit Blick auf kleine und grössere Gletscher, schrundige Berge und – hier wiederhole ich mich – einen wolkenlosen Himmel.

Echte Urtümlichkeit
Das Hotel selbst, das Capra, ist klein und zumindest von aussen eher unscheinbar. Seine Werte liegen im Innern. Spürbar für alle, die den Urlaub mit allen Sinnen geniessen wollen. Wände, Decken, Böden und Einrichtung sind von auserlesenen Materialien. Die Verarbeitung erstklassig. Die Dekoration angenehm zurückhaltend und dennoch effektiv. Man inszeniert im Capra keinen nostalgischen Alpenchic, sondern zelebriert echte Urtümlichkeit. In der Dosis so, dass es zur Kundschaft passt. Die ist international, so erfahren wir vom Hotelmanager Raphael Herzog. Entspannt sitzen wir in der gemütlichen Lounge bei einem Glas Wein und erfahren vom ihm Intereressantes über das Capra, über die Philosophie der Besitzerfamilie, über Saas-Fee, die Natur und die Gäste, die hier verkehren. Das Gespräch ist nicht nur anregend, es ist freundschaftlich. Man fühlt sich wohl beim Plaudern und spürt, dass Herzog einer ist, der tut, was er sagt. Und nicht umgekehrt.

Es gäbe jetzt noch viel zu erzählen über das kleine sympathische Hotel. Über die heimelige Suite, in der wir wie die Murmeltiere schlummerten, über das gut gelaunte, hilfsbereite Personal und über die fantastische Natur, die quasi vor der Haustüre beginnt. Stattdessen widmen wir die letzten Zeilen dem Essen. Um präziser zu sein, dem Genuss.

Man fühlt sich wohl beim Plaudern und spürt, dass Herzog einer ist, der tut, was er sagt. Und nicht umgekehrt.

Rundum perfekt
Wer mich kennt, der weiss, ich bin nicht so der Typ für das Überkandidelte. Ein grosses Tamtam um Wein schüchtert mich ein. Zu viel Kreativität auf dem Teller lenkt mich ab. Was das angeht, hätte die Weinempfehlung von Claudia Schibler treffender nicht sein können: in wenigen Worten, dafür geübt in der Sache und mit viel Empathie für den Menschen. Und was uns dann als Vorspeise und im Hauptgang aufgetischt wurde, war eine Reizempfindung der Sonderklasse. Ich war sogar versucht, zumindest einen kurzen Augenblick lang, den Gemüse- und Früchtesalat meiner Partnerin zu fotografieren. Was wir gegessen und getrunken haben, war perfekt. Rundum. Chefkoch Oliver Glowig und sein Team haben die Sache im Griff, soviel steht fest. Ein weiterer triftiger Grund, um wieder nach Saas-Fee zu kommen. Ins Capra.