Redbox Gallery

6. August 2013
Klug durchdachter Küchenbau

Ein Hoch auf das Reduit

Küchenbauer Thomas Wiesmann spricht Klartext und sagt, warum überdimensionierte Küchen out sind und er stattdessen auf das altehrwürdige Réduit schwört. Hans Georg Hildebrandt traf den profilierten Unternehmer in der Redbox Gallery an der Talstrasse.

Wenn Thomas Wiesmann von «klein und knackig» redet, meint er damit nicht Gemüse. Die Adjektive umschreiben vielmehr, wie der Zürcher Küchenbauer sich ein zeitgemässes, attraktives und kompaktes Küchenmöbel vorstellt. «Weil die Menschen in der Schweiz immer mehr Raum bewohnen, wurde die Küche proportional ebenfalls immer grösser», führt der Zürcher Handwerker, Unternehmer und frühere Präsident des Schweizerischen Küchenverbandes aus. Diese Entwicklung passe jedoch nicht zur Funktionalität einer klug durchdachten Küche. Die müsse räumlich beschränkt und dafür perfekt auf die Bedürfnisse ihrer Benutzer geplant sein – klein und knackig eben. «Schauen Sie sich bei Spitzenköchen zuhause um – die haben Kombüsen, in denen alle wichtigen Dinge nur eine Armlänge entfernt sind!», sagt Wiesmann. Auch zur Möblierung des Essraums hat Wiesmann eine klare Ansicht: «Der Esstisch sollte grösser sein als die Kücheninsel», findet er – andernfalls räume man der Kulinarik im Alltag einen unrealistischen Stellenwert ein.

Ein Raum für Vorräte
Der Unternehmer sah in der Tendenz zur fast nicht mehr funktionalen Riesenküche eine Chance und dachte darüber nach, wie man dem Trend zum Gigantismus die Spitze brechen könnte. Dabei machte er eine Wiederentdeckung: das Réduit, im Bündnerland als Spensa bekannt und im Englischen am besten mit dem Begriff «Pantry» umschrieben. Wenn Wiesmann seine Kunden berät, zeichnet er jeweils von Hand fünf unterschiedliche Entwürfe auf und integriert dabei seit einiger Zeit wenn möglich ein Réduit. «Dank einem Raum für Vorräte und sperrige Utensilien werden die Wege insgesamt kürzer, der Bereich rund ums Kochen ist leichter zu möblieren und die Küchen werden übersichtlicher.» Das Réduit stellt sich in den Dienst der Wohn-Ästhetik. Insbesondere weil Einbauschränke in der heutigen Architektur spärlich eingeplant werden, sei es wichtig, «ungerade Sachen während eines Abends mit Gästen problemlos verstauen zu können», sagt Wiesmann.

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Die beste Industrieküche überhaupt
Der Küchenbauer führt im Zürcher Seefeld-Quartier ein Geschäft mit 12 Mitarbeitern und baut pro Jahr in seiner eigenen Werkstatt rund 80 Küchen. Als Grundlage dient dabei das Modell «b3» von der deutschen Prestige-Marke Bulthaup: «Die beste Industrieküche überhaupt, darum ist dieses Modell für die Verarbeitung in unserem Stil am besten geeignet», sagt Wiesmann dazu. Konkret heisst das: nüchterne Formensprache, eine charakteristische, farbige LED-Leiste unterhalb der Arbeitsplatte und jede Menge durchdachte und funktionale Details. «Unsere Aufgabe ist es, den Kunden Lust auf eine schöne Küche zu machen», sagt Thomas Wiesmann. Dank seiner Vision, das altehrwürdige Réduit wiederzubeleben, sind seine Kreationen nicht nur schön, sondern auch funktional und machen ein fortgeschrittenes Bewusstsein für Kochkultur und Gastfreundschaft im Raum direkt sichtbar.

  • GM Castelberg

  • HG Hildebrandt

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