Skip - mein Jack Russel Terrier

5. August 2019
Mein schwerster Weg

Skip – mein Jack Russell Terrier

Den Hund zu verlieren, das habe ich erwartet, ist ein trauriges Ereignis. Die Leere jedoch, die Skip hinterlässt, tut grausig weh. Weil nichts mehr ist, wie es war.

Skip, to low Forest, in anderen Worten aus dem Kanton Nidwalden, geboren am 15. August 2002, war mein engster Freund. Und mein liebster. Zwar hat er nie etwas zu mir gesagt, aber er war stets da. Stand mit mir in Verbindung. Kommunizierte durch seine Haltung, seine Eigenschaften und spassigen Marotten. Dadurch, dass, was immer ich auch tat, er mir nie von der Seite wich. Zumindest nicht weit. Und auch nicht für lange Zeit.

In wenigen Tagen wäre der süsse Racker 17 Jahre alt geworden. Heute, am 5. August um 13.50 Uhr, hat sein Herz zu schlagen aufgehört. Nicht von alleine, dazu war er, typisch Jack Russell, zu zäh und vielleicht, wer weiss das so genau, hing er trotz aller Beschwerden an seinem Leben. Nach monatelanger Krankheit, heftigen epileptischen Anfällen, die in immer kürzeren Abständen auftraten, habe ich mich jedoch entschlossen, die Notbremse, eine bessere sprachliche Umschreibung fällt mir dazu nicht ein, zu ziehen. Ob das richtig oder falsch war, kann ich nicht sagen. Sagen kann ich allerdings, dass ich nicht mehr mit ansehen wollte, was die Krankheit mit ihm anstellt und wie sie ihm das Leben verbittert. Eine Tat also, die moralisch, so denke ich, vertretbar ist, mich jedoch am Boden zerstört und mit tiefer Trauer erfüllt. Man komme mir deshalb nicht und sage, es ginge nur um einen Hund. Dem entgegne ich, dass Hunde deutlich tiefere Spuren im Herzen hinterlassen können als so mancher Mensch.

Danke für die wunderbare Zeit, mein lieber Freund. Du warst länger um mich herum als viele andere Weggefährten. Was hast du mich nicht zum Lachen gebracht. Und, hier und da, wenn es dir nicht gut ging, zum Weinen. Was mir von dir bleibt, sind unzählige Erinnerungen an die gemeinsam verbrachte Zeit. Unsere ausgedehnten, manchmal tagelangen Wanderungen in den Bergen. Oder die Reisen nach Saint-Tropez und Ibiza, was nicht so dein Ding war, weil viel zu heiss. Die zahlreichen Male, die wir, als du noch ein Welpe warst, auf den Üetliberg marschiert und am Abend im Türlersee zusammen geschwommen sind. Warst du einmal drin im Wasser, brachte man dich nicht mehr raus. Einem Stecken oder Tennisball konntest du um nichts in aller Welt widerstehen.

Vor dem Schlafengehen noch einmal zum Brunnen laufen
Was mich glücklich und zufrieden macht, ist, dass du vergangenes Jahr mit mir auf die Alp gekommen bist. Ich als Knecht, du als Zeuge und Beobachter. Nie vergesse ich jenen Sonntag, als wir auf unserem Ausflug einer Horde Ziegen begegneten und du dich mit Herzklopfen, nein, es war keine Angst, vor den gehörnten und lärmenden Biestern hinter mir versteckt hast. Was würde ich dafür geben, mit dir abends vor dem Schlafengehen noch einmal zum Brunnen zu laufen, die kühl gestellte Milch zu rühren und dir einen Fingerschleck davon zu geben. Dich neben mir zu wissen beim Käsewenden, wenn du mich keine Sekunde aus den Augen lässt, in der Hoffnung, es würde davon etwas für dich abfallen. Was im Spycher nicht der Fall war, in der geschützten Hütte, neben dem wärmenden Feuer, hingegen schon.

«Einem Stecken oder Tennisball konntest du um nichts in aller Welt widerstehen.»

Dass du im vergangenen Winter nochmal mit nach Arosa gekommen bist, wo du in jungen Jahren auf der Carmennahütte kiloweise Jogis Kotelettknochen vertilgt hast, nachdem du vorher stundenlang jedem Schneeball nachgerannt warst, und kürzlich zwei Nächte mit uns auf dem Campingplatz verbringen konntest, grenzt beinahe an ein Wunder. Genauso wie die letzten zwei längeren Spaziergänge in der wohltuenden Kühle des Waldes. Auch dafür bin ich immens dankbar. Es macht mir das Abschiednehmen leichter, wenigstens ein kleines bisschen. Weil ich sehen und fühlen konnte, dass diese Augenblicke deine Lebensgeister weckten, du deine Fellnase in jeden Busch stecktest und aufmerksam beobachtet hast, was sich um dich herum abspielt.

Das grösste und tollste Geschenk, das ich je erhalten habe
Was gäbe es nicht alles zu erzählen über dich und dein grossartiges Wesen. Jedem, dem du in deinem langen Hundeleben begegnet bist, hast du vorurteilsfrei das Herz geöffnet. Kein Tag, an dem du nicht gut drauf warst und mit deinem fröhlichen Naturell Heiterkeit verbreitet hast. Uns mit all der Anhänglichkeit in deinen braunen Augen so reich beschenkt hast, wissend, dass du dich bei uns sicher und geborgen fühlen durftest. Als Bea und ich dich damals, inmitten deiner Brüderchen und Schwesterchen, ausgesucht hatten, führte uns eine wohlmeinende Hand. Notabene warst du, wenn ich das so sagen darf, das grösste und tollste Geschenk, das ich je erhalten habe.

Als du heute eingeschlafen bist, lag dein Köpfchen, wie damals, als du die erste Nacht weg von deiner geliebten Hundefamilie verbracht hast, in meiner Hand. Ich wage zu hoffen, dass ich dir damit nahe war – damals wie heute. Damit den Schmerz von Verlust und die Beklommenheit der Reise vom Diesseits ins Jenseits etwas lindern konnte. Du hast eine sehr lange Zeit mein Herz mit grenzenloser Liebe erfüllt und mein Leben mit unzähligen Abenteuern bereichert. Dafür bin ich dir ewig dankbar. Ich werde dieses Andenken den Rest meines Lebens im Herzen tragen. Dich weiterhin auf allen Wegen neben mir wissen und, sehe ich einen funkelnden Sternenhimmel, denken, einer der Sterne seist du. Ruhe in Frieden, Skipli, mein treuer, geliebter Gefährte.

  • Urs Blöchliger
  • Urs Blöchliger
14 Kommentare
  1. Antoinette Petermann
    Antoinette Petermann sagte:

    Lieber Urs, zum ersten möchte ich Dir mein Beileid schenken.
    War sehr gerührt Deinen Artikel zu lesen, man hat den grossen Schmerz über den Verlust Deines Freundes
    gespührt! Die tollen Momente werden immer wieder present sein.
    Ganz herzliche Grüsse Antoinette

    Antworten
    • Urs Blöchliger
      Urs Blöchliger sagte:

      Hallo Antoinette, grüezi
      Vielen lieben Dank für die mitfühlenden Worte. Das tut gut.
      Es grüsst dich ganz herzlich, der Urs

      Antworten
  2. Kägi Susanne
    Kägi Susanne sagte:

    Lieber Urs
    Hundeherzen lassen Herzen höher schlagen, verbinden, erfüllen, berühren die Seele.
    Danke, dass du deine Gefühle und deine Welt mit uns teilst.
    Deine Worte treffen mich und wohl auch andere Leser mitten ins Herz – Tränen sagen mehr als 1000 Worte.
    Skip war ein wundervoller Hund und dass die vielen schönen Erinnerungen und Momente diese Lücke nicht zu füllen vermögen, ist eine Tatsache, dennoch helfen sie, dass dieses edle Wesen im Herzen weiterlebt.
    Herzlichst, jemand der dich versteht und mit dir fühlen kann…

    Antworten
    • Urs Blöchliger
      Urs Blöchliger sagte:

      Liebe Susanne, guten Abend

      Deine Worte tun mir gut. Merci!

      Du kannetst den Skip ja ebenfalls von klein auf und weisst wovon ich spreche und schreibe.
      Traurigkeit und Hilflosigkeit erzeugen innere Einsamkeit. Da tut es gut, Menschen um sich zu haben, die verstehen. Mehr müssen sie gar nicht tun. Nur verstehen und den Schmerz ernst nehmen. Den Rest muss ich selber machen. Sprich, die bodenlose Leere annehmen, Tränen zulassen und die Zeit für mich arbeiten lassen.

      Mit Dank und herzlichen Grüssen, Urs

      Antworten
  3. Helen Brun (Göhner-Fitness)
    Helen Brun (Göhner-Fitness) sagte:

    Lieber Urs
    Am 23.Juli haben wir Skip an unserem Sommerfest am Greifensee noch erlebt. Wir hatten das Gefühl, dass er seine Runden noch gedreht hat und auch noch etwas Freude hatte, bis ihn dann der epileptische Anfall ganz plötzlich traf. Aus eigener Erfahrung weiss ich wie schmerzhaft es ist, ein Tier, welches solange zur Familie gehörte, zu verlieren. Dein Artikel beschreibt die Freuden, die ein Hund geben kann aber nun auch den Schmerz und die Trauer, dass er nicht mehr da ist.

    Antworten
    • Urs Blöchliger
      Urs Blöchliger sagte:

      Liebe Helen, grüezi

      Bea berichtete mir von eurem gemeinsamen Abend am Greifensee. Und ja, ich weiss auch von Skiplis Anfall den er dort hatte…
      Nun ist er nicht mehr da, wo er war und denoch überall, wo wir sind. Und stets sind da Spuren seines einzigartigens Wesens. Gedanken, Bilder, Andenken an wunderbarere Augenblicke. Sie werden uns an ihn erinnern, uns traurig und glücklich machen, ihn nie vergessen lassen.

      Herzliche Grüsse
      Urs B.

      Antworten
  4. Simone
    Simone sagte:

    Was für eine schöne Liebesgeschichte. Wer selber schon das Leben mit einer Fellnase geteilt hat und sie hat gehen lassen müssen, kann nachvollziehen, was du hier beschreibst. Es hat mich sehr berührt, zumal ich das Vergnügen hatte, Skip auch ein paar Mal zu erleben. RIP, Skip.

    Antworten
    • Urs Blöchliger
      Urs Blöchliger sagte:

      Ganz herzlichen Dank liebe Simone für deine mitfühlednen Worte. Für die stumme Umarmung.

      Liebe Grüsse aus Zürich
      Urs B.

      Antworten
  5. Albert Rossbacher
    Albert Rossbacher sagte:

    Lieber Urs
    ja, genau so habe ich, aber eben nur so kleinstückweise, Skip auch erleben dürfen. Fröhlich, kommunikativ, schlau und irgendwie wohltuend unaufgeregt besorgt um eine gute Stimmung. Ja, vielleicht wünscht man bei Tieren kein Beileid – ich tu es trotzdem. Mein aufrichtiges Beileid und viel Kraft in dieser Zeit, in welchen es eben um Erinnerungen geht. Der Abschied ist der Beginn der Erinnerungen. Ein ganz berührender Bericht. Danke.

    Alles Gute
    Albert

    Antworten
    • Urs Blöchliger
      Urs Blöchliger sagte:

      Lieber Albert, guten Morgen

      Schön, von dir zu hören. Und danke für die tröstenden Worte. Für dein Mitempfinden.

      Mit herzlichen Grüssen in die neue Woche.
      Urs B.

      Antworten
  6. Andreas Panzer
    Andreas Panzer sagte:

    Lieber Urs
    Das tut mir aufrichtig leid und ich wünsche dir viel Kraft! Deine Worte haben mich sehr berührt und ich kann deinen Schmerz sehr gut nachfühlen.
    Herzlicher Gruss aus Chur
    Andreas

    Antworten
    • Urs Blöchliger
      Urs Blöchliger sagte:

      Ciao lieber Andreas
      Merci für die Anzeilnahme und die gewogenen Worte.

      Wünsche dir, zurück aus deinem Urlaub, einen erfolgreichen Start und grüsse herzlich ins Bündnerland.
      Urs B.

      Antworten
  7. Elisabeth B.
    Elisabeth B. sagte:

    Uhi – schöne Geschichte!
    Sehr nachvollziehbar, da Tiere stets für einem da sind – ob es einem gut geht oder weniger. Egal in welcher Stimmung man nach Hause kommt, Hunde stürmen stets auf einem z,u um Hallo sagen. Wenn es einem einmal nicht gut geht, spüren sie das genauso und kuscheln noch mehr als sonst, was uns Menschen natürlich auch wieder gut tut. Schön, dass jemand seine ehrlichen Gefühle mit uns teilt. Heutzutage trifft man solcherlei leider wenig an, da alle cool unterwegs sein wollen, zumindst aber denken, sie müssten dergestalt rüberkommen.

    Danke und Kopf hoch,
    Elisabeth B.

    Antworten
    • Urs Blöchliger
      Urs Blöchliger sagte:

      Hallo und guten Tag Elisabeth

      Danke herzlich für die lieben Zeilen.
      Ob cool oder nicht, ist nicht wirklich aussagekräftig. Wichtiger ist, so scheint mir zumindest, sich selber treu zu sein Und ehrlich genug, Tränen zuzulassen. Wenn einem danach zumute ist.
      Mit lieben Grüssen zurück. Urs B.

      Antworten

Dein Kommentar

Willst du mitreden?
Sag uns, was du denkst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.